Urlaub in Frankreich

Reisetipps – Urlaub in der Camargue

26. April 2020

Auch wenn momentan in der aktuellen Lage irgendwie noch nicht an Urlaub zu denken ist und diejenigen unter Euch, die evtl. ihren Pfingsurlaub 2020 schon gebucht haben jetzt bibbern ob sie überhaupt fahren können, denen sei gesagt, dass sich die Zeiten auch wieder ändern werden. Da bin ich fest davon überzeugt 🙂 .

Daher nehme ich Euch auch mal wieder auf eine Inspirationsreise mit nach Frankreich. Ich hatte Euch bereits in zwei zurückliegenden Beiträgen die doch recht populären Urlaubsregionen Normandie und Bretagne vorgestellt. Im aktuellen Beitrag fahren wir auch wieder ans Meer, dieses Mal aber an das “andere Ende Frankreichs” in eine vielleicht weniger bekannte Urlaubsregion, die Camargue.

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Parc Naturel Régional de Camargue

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Parc Naturel Régional de Camargue 43.496768, 4.502197 (Routenplaner)

Wasser, Schilf und Flamingos

Spricht man von der Camargue, ist zum größten Teil das Schwemmland rundum das Rhonedelta zwischen Marseille und Montpellier gemeint. Die Camargue gehört somit genau genommen zur Region Provence, hat aber rein optisch nichts mit lila wogenden Feldern voller Lavendel zu tun 😉 . Die Landschaft unweit der Küste, die von ihrem populären “Nachbarn” Côte d’Azur gerne mal als Urlaubsziel verdrängt wird, besticht durch zwei unschlagbaren Vorteile, nämlich wenig Trubel und viel Natur. Wer von Euch schon an der Côte d’Azur Urlaub gemacht hat, weiß jetzt sicherlich von was ich spreche. Hier kommt der Naturliebhaber nämlich nicht so richtig auf seine Kosten und auch die Städtchen sind mehr als überfüllt und mir ist schon oft bei der Suche nach einem Parkplatz die Lust am Stadtbummel bzw. Marktbesuch vergangen.

Hier in der Camargue ist alles beschaulicher, aber nicht minder schön, gibt es doch in den Städten Arles und Nîmes viel an Historischem zu entdecken und gehört der Markt in der ehemaligen Hafen- und Festungsstadt Aigues-Mortes wie ich finde zu den Schönsten in der gesamten Region.

Unterwegs in der Camargue

Das Zentrum der Camargue ist dabei der geschäftige Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer (“Saintes-Maries”), der wie der Name schon sagt, sich direkt am Meer befindet und mit einer schönen Strandpromenade und einem historischen Stadtkern Lust auf Urlaub macht.

Die “heimliche” Hauptstadt der Camargue

Fährt man auf der Rue National und auch der einzigen Zufahrtsstraße durch das Marschland nach Saintes-Maries denkt man, man fährt ans Ende der Welt. In den kleinen Seen stehen dutzende rosa Flamingos und in der Ferne sieht man auf den dürftig umzäunten Weideflächen auch die typischen weißen Camargue-Pferde. Ich muss an dieser Stelle aber auch anmerken, dass ich diese nie als “Wildpferde” und wie eine Büffelherde durch die Landschaft ziehen sehen habe. Das ist dann wohl was fürs Werbeprospekt oder ich war immer zur falschen Zeit am falschen Ort.

Zudem muss man aufpassen, dass wenn man die Hauptstraße verlässt, man nicht im Hinterland in einer Sackgasse endet oder zur Weiterfahrt eine Stunde lang auf die Fähre warten muss.

Der kleine Ort Saintes-Maries bzw. deren trutzige Wehrkirche Notre-Dame-de-la-Mer mit ihren hohen Zinne ist schon kilometerweit in der flachen Landschaft zu sehen. Letztendlich gehört das Baudenkmal aus dem 12. Jahrhundert auch zu den wenigen Sehenswürdigkeiten im beschaulichen Ferienort. Wer als auf der Suche nach Action und bekannten Sehenswürdigkeiten ist, der wird hier also eher enttäuscht ein. Wer aber entspannte Abende im Bistro mit Meerblick bevorzugt und gerne in den Dünen wandert oder mit dem Rad unterwegs ist, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Hier ist es auch ratsam ein wenig die Augen offenzuhalten. Auf mancher Weide steht nämlich kein zahmes Camargue-Pferdchen sondern ein schwarzer Stier mit imposanten Hörnern 😉 .

Wenn dann allabendlich die Restaurants entlang der Uferpromenade ihrer Beleuchtung anknipsen und ich, auf einem Bänkchen sitzend, die Wellen leise an den Strand rollen höre ist das für mich immer Urlaubsfeeling pur.

Abendliches Saintes-Maries

Zu Zeiten der Wallfahrt Ende Mai und Oktober ist es dann aber auch mit der beschaulichen Ruhe in Saintes-Maries vorbei, finden sich doch tausende Roma aus allen Herren Ländern zur Prozession ein um die Schreine der heiligen Maria Jakobäa und Maria Salomeder zu verehren. Es empfiehlt sich also bevor man seinen Urlaub bucht, kurz in den Kalender zu schauen es sei den, man möchte die Wallfahrt hautnah miterleben 😉 .

Wusstest ihr, dass auch in der Arena von Saintes-Maries der Tradition des (wie in Frankreich üblichen unblutigen) Stierkampfes gefrönt wird? Wenn Euch ein solches Spektakel interessiert, könnt ihr während der Saison in der Touristeninformation vor Ort Karten erwerben. Leider haben wir es zeitlich nicht geschafft uns das anzuschauen. Auch wenn ich kein Befürworter der ganzen Sache mit dem Stierkampf bin, bin ich aber trotzdem an den Traditionen anderer Länder und Regionen interessiert und ich finde man muss sich auch eine eigene Meinung bilden und wie so oft im Leben ist nicht alles Schwarz oder Weiß.

Vor der Stierkampfarena

Auf den Spuren der Blume des Salzes

Viele von Euch kenne wahrscheinlich auch das bekannteste regionale Produkt, welches sich weltweit bei Köchen an großer Beliebtheit erfreut und auch bei uns im Supermarkt zu finden ist. Die “Blume des Salzes” oder auf französisch “Fleur de Sel” wird hier in der Camargue gewonnen und stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Wenn ihr Euch also bei der Fahrt durch die Region mit dem Rad oder mit dem Auto wundert, warum es immer wieder große weiße Fläche und auch teilweise Förderbänder wie hier in den Steinbrüchen auf der Schwäbischen Alb gibt, dann wisst ihr jetzt worum es sich handelt.

Gewinnung von Fleur de Sel

Zudem lohnt es sich auch in den kleinen Lädelchen der Produktionsstätten vorbeizuschauen und das ein oder andere Stück der Camargue für sich selber oder als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.

Römische Vergangenheit

Lässt man das Mündungsdelta der Rhone hinter sich schließen sich an den flachen Landstrich rund um Saintes-Maries ein hügeliges mediterranes Kulturland an. Hier ist die römisches Vergangenheit greifbar und es ist quasi ein Muss, die großen Arenen in Nîmes und Arles zu besuchen.

Amphitheater von Nîmes

Beide Orte lagen damals in der römischen Provinz Gallia Narbonensissis und die ca. 90 n. Chr. erbauten Amphitheater wurden nach dem Vorbild des römischen Kolosseums geplant und gebaut und hatten ursprünglich Platz für 25.000 Zuschauer. Heute sind beide Arenen wunderbar restauriert und werden regelmäßig für diverse Veranstaltungen und Festivals genutzt. Die Arena von Arles hat zudem auch eine gewissen Bekanntheit über die Region hinaus erlangt, taucht sie doch in Gemälden von Picasso und Van Gogh auf und ist auch Handlungsort in einem Roman von Hemingway.

Beide historische Städte verzaubern neben den Überbleibseln der römischen Herrschaft mit engen und verwinkelten Gassen durch die Altstadt und den hellen geradlinigen, teils auch monumental anmutenden Gebäuden und den vielen Bistros, Restaurants und kleine Läden in denen man südfranzösische Lebensart käuflich erwerben kann.

Seid ihr in Nîmes unterwegs, solltet ihr auf jeden Fall einen Ausflug auf den Tour Magne im wunderschönen Jardin de la Fontaine unternehmen. Dieser stammt aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und zählt zu den ältesten Gebäuden in Europa. Zudem habt ihr vom Garten aus einen fantastischen Blick auf die Stadt.

Aquädukt Pont du Gard

Nahe der Römerstadt Nîmes befindet sich auch das bekannte Aquädukt Pont du Gard und kann der Besuch der Camargue gut mit einem Tagesausflug ins bergige Hinterland verbunden werden. Zudem kann man in dem Gebiet auch schön wandern und natürlich die Natur genießen.

Fast unvorstellbar, dass im Mittelalter die knapp 50 Meter hohe Brücke als normale Straße genutzt wurde und die Leute in schwindelerregender Höhe mit ihrem Ochsenfuhrwerk zum nächsten Markt gefahren sind. Das Aquädukt wurde Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. über den Fluss Gardon, der bei den Römen “Vardo fluvius” hieß, gebaut um das dortige Tal zu überwinden. Somit ist es auch nur ein kleiner Teil eines 50 km langen Wasserkanales, der die 20.000 Bewohner der nahe gelegenen Stadt Nemausus mit Wasser versorgte.

Ich finde so Bauwerke ja immer unglaublich, hatten die Menschen damals doch keine Kräne von Liebherr und auch keine anderen Baumaschinen wie wir sie heutzutage kennen. Zudem gehört, was die Berechnung des Gefälles im Gelände und auch der anderen geologischen Begebenheit betrifft doch einiges an Know How dazu.

Zurück am Meer

Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig inspirieren und Euch auch die weniger bekannte Region Camargue als Urlaubsregion schmackhaft machen. Am besten nehmt ihr Euch ein Ferienhaus oder eine Wohnung in Saintes-Maries oder Arles. Alternativ gibt es auch einige Wohnmobilstellplätze und natürlich Campingplätze auf denen ihr Eure Zelte aufschlagen könnt. Wir waren bisher immer in einer Ferienwohnung untergebracht, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

In diesem Sinn – au revoir et à bientôt!