Urlaub in Frankreich

Praluline und Résistance

7. Januar 2022

Etappe 35 – Unsere Weiterfahrt in Richtung Heimat hat uns einen wunderbaren Tag in Roanne, einer geschäftigen Kleinstadt an der Loire eingebracht. Wie ihr wisst, planen wir unserer Reisen nie weit im voraus, was soviel heißt wie, dass wir am Vortag oder am Vorvortag überlegen wohin wir als nächstes fahren. In diesem Fall muss ich sagen, dass sich die Stadt mit ihrem Wohnmobilstellplatz als ein echter Geheimtipp entpuppt hat.

Blick auf die Loire bei Roanne

Roanne liegt ca. 70 Kilometer nordwestlich von Lyon und war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wirtschaftliches Zentrum der Region. Der Handel wurde damals durch den Bau des Roanne-Digoin-Schiffahrtskanal, welcher parallel zur Loire verläuft, wieder neu belebt. Die Loire ist nämlich nicht durchgehend schiffbar und der Kanal wiederum eine wichtige Verbindung zum Loire-Seitenkanal, der mit weiteren Kanälen entlang von Seine und Saône der Binnen- und Freizeitschifffahrt eine Verbindung zum Mittelmeer bietet.

Die geschäftige Innenstadt lädt dabei zu einem Schaufensterbummel und der große Park entlang dem Ufer der Loire mit Spielplatz, Karussell und Kiosk zum Verweilen ein. Uns hat es spontan in der Innenstadt bzw. Altstadt mit ihrer schön geschmückten Fußgängerzone sehr gut gefallen. Dabei habe ich auch mal wieder meiner Bastelleidenschaft – ja in diesem Wort steckt das Wörtchen „Leiden“, was Florian doch ab und an muss – gefrönt und nach langer Zeit wieder neue Perlen zum Schmuckbasteln gekauft.

Der imposante Obelisk in der Nähe des Hafenbeckens erinnert aber auch an ein schwieriges Thema in der jüngeren französischen Geschichte, nämlich der Umgang mit der Résistance und der Vichy-Regierung. Hier in der Gegend um Roanne war nämlich der Widerstand gegen diese, welche ja während dem 2. Weltkrieg mit Hitler kollaborierte, besonders hoch und es waren oft die eigenen Landsleute die den Widerstand ans sprichwörtliche Messer lieferten. Das ist auch heute noch politisch ein sehr, sagen wir mal unbeliebtes und auch emotionales Thema bei den Franzosen, würde man doch eigentlich am liebsten das Kapitel der Kollaboration mit den Nazis komplett unter den Teppich kehren. Wer sich für das Thema „geteiltes“ Frankreich und Demarkationslinie während dem zweiten Weltkrieg interessiert, dem kann ich daher auch einen Besuch des Centre d’interprétation de la ligne de démarcation im knapp 80 Kilometer nördlich liegenden Örtchen Génelard nur empfehlen.

Wer Roanne bei schlechtem Wetter besucht, der sollte unbedingt dem Joseph-Déchelette Museum, einem Universalmuseum mit Schwerpunkt Kunst & Archäologie einen Besuch abstatten. Das Museum sowie die Bibliothek sind in einer luxuriösen Villa aus der 19. Jahrhundert untergebracht und bietet auch regionalen Künstlern eine Bühne für ihre Schöpfungen und Werke.

In der von außen sehr unscheinbaren Markhalle „Halles Diderot“ am Rande der Innenstadt haben wir zum Kaffee dann auch die regionale Spezialität schlechthin gekauft. Praluline, ein Pralinenbrioche der superleckeren Kategorie, wird nur in der Region um Roanne gefertigt und verkauft. Die Butterbrioche ist mit rosa Pralinen gefüllt und geht auf ein Rezept aus dem Jahr 1955 zurück. Beim Essen wechselt die Konsistenz zwischen fluffig buttrig und süß knusprig, wenn man auf eine der Pralinen beißt.

Solltet ihr also auch mal in der Gegend unterwegs sein, müsst ihr die Praluline unbedingt probieren. Schon alleine der Moment, wenn der Kuchen in der Konditorei schön und sorgfältig eingepackt wird, sowie die Vorfreude ihn endlich anschneiden und probieren zu können sind … einfach göttlich 🙂 .

Übernachtung

Übernachtet haben wir wunderschön ruhig am Freizeithafen mit Blick auf die Hausboote. Der kleine aber sehr gepflegte Wohnmobilstellplatz ist auch hier an der Straße ausgeschildert und bietet die Möglichkeit zur kostenpflichtigen Ver- und Entsorgung. In die Altstadt samt Fußgängerzone läuft man eine knappe Viertelstunde. Wer also lieber sein Glas Wein im Restaurant und nicht wie wir am Abend vor dem Mobil genießt, der hat es auf jeden Fall auch nicht weit nach Hause 😉 .