Elternzeit Europarundreise | Urlaub in Frankreich

Eine Zeitreise zwischen Antike, Mittelalter und Moderne

24. November 2021

Etappe 31 – Mit ein wenig Wehmut und schweren Herzens haben wir nach drei Übernachtungen in Saintes-Maries-de-la-Mer, der Camargue und im Umkehrschluss auch dem Mittelmeer den Rücken gekehrt. Wir freuen uns aber auch Neues zu entdecken und ich habe einen historisch besonders interessanten Ort in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur als nächste Etappenziels für uns ausgewählt. Im hügeligen Hinterland der Rhône und im Schatten des legendären Mont Ventoux liegt der vielleicht auf den ersten Blick unscheinbare Ort Vaison-la-Romaine, der aber bei genauerem hinsehen, schon seit der Bronzezeit durch den keltischen Stamm der Vocontier und später ab dem 2. Jahrhundert vor Christus von den Römern besiedelt wurde und somit auf eine lange, kriegerische und abwechslungsreiche Kulturgeschichte zurückblicken kann.

Ausgrabungen in Vaison-la-Romaine

Die Ausgrabungsstätten in der Innenstadt, die sich auf das 1. und 2. Jahrhundert nach Christus datieren lassen, gehören zu den Größten in ganz Frankreich und die steinernen Überreste der Villen, Marktplätze, Theater, Bäder und Aquädukte vermitteln einen beeindruckenden Einblick in die damaligen Ausmaße der Siedlung in der zur Blütezeit bis zu 10.000 Mensch gelebt hatten.

Ausgrabungen in Vaison-la-Romaine

Die beiden Stätten, sowie die Arena liegen räumlich voneinander getrennt, können aber mit einem Kombi-Eintrittsticket des „Le Musée archéologique Théo Desplans“ erkundet werden. Die Wege sind barrierefrei und wir konnten Henry recht gut mit dem Kinderwagen durch die ehemaligen römischen Straße schieben. Lediglich der Weg zur Arena war ein wenig beschwerlicher, da steil und durch den Regen ausgewaschen. Vasio, wie Vaison-la-Romaine damals hieß, gehörte zur römischen Provinz Gallia Narbonensis, deren Gebiet sich von der heutigen spanischen Grenze bis hin nach Cannes erstreckte. Wusstet ihr, dass die Bezeichnung als Provinz dazu führte, dass ein Teil der Landschaft heute noch Provence genannt wird?

Neben dem römischen Erbe gibt es zum flanieren und einkaufen noch eine nette Altstadt und auf der anderen Seite des Flusses Ouvèze eine mittelalterliche Oberstadt „Haute Ville“ die den Bewohnern ab dem 14. Jahrhundert durch die Burg hoch oben auf dem Felshang einen besonderen Schutz bot. Dort im Gassengewirr rund um die mittelalterliche Burgruine aus dem 12. Jahrhundert sind wir beim Kinderwagenschieben ganz schön ins Schwitzen gekommen und konnten auch nicht bis ganz nach oben spazieren, da irgendwann nur noch schmale Stufen für den Aufstieg zur Verfügung stehen.

Ohne Kinderwagen alles kein Problem, aber so muss man sich einfach den örtlichen Gegebenheiten anpassen und eine wunderbare Aussicht auf den Mont Ventoux, der von den Kelten als heiliger Berg verehrt wurde, und die umliegenden Hügel hatten wir allemal 🙂 . Die Oberstadt war übrigens lange dem Verfall preisgegeben und wurde erst im letzten Jahrhundert umfassend restauriert. Erreichbar ist sie über die Römerbrücke, die nicht nur die strategisch bedeutendste Brücke in der Provinz Narbonne war, sondern auch vom Grafen von Toulouse ab Mitte des 12. Jahrhunderts als Zollbrücke genutzt wurde.

Solltet ihr auch mal in dieser Gegend unterwegs sein empfehle ich euch unbedingt dort in der örtlichen Kooperative „La Romaine“ den ein oder anderen Liter Wein einzukaufen. Vor allem der Rotwein aus dem Gebiet Vaison-la-Romaine ist einfach nur wunderbar zu trinken und einer der besten Roten die uns seit langer Zeit mal wieder ins Glas gekommen sind.

Übernachtung

Wir habe am Ortsrand auf dem Wohnmobilstellplatz übernachtet auf dem Ver- und Entsorgt werden kann und von dem es keine Viertelstunde zu Fuß in die Innenstadt zu den Ausgrabungsstätten ist. Es gibt im Ort zudem noch einen sehr gut bewerteten Citycampingplatz, der aber leider schon um die Mittagszeit komplett belegt war.

Wir haben auf dem Stellplatz noch einen der letzten Plätze bekommen und waren anfangs ein wenig überrascht. Besucht man dann aber den historischen Ortskern und die Altstadt wird einem so einiges klar 😉 . Die Gebühr für die Nacht wird am Abend von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung eingesammelt und hat sich auf knapp neun Euro belaufen.

Weiterführende Links