In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

Glücksorte – Neu-Ulms grüne Lunge

28. Februar 2020

Fährt man in den Sommermonaten entlang der Ringstraße in Richtung der Neu-Ulmer Innenstadt ist die Glacis-Anlage, die sich wie ein grünes Band durch die Innenstadt schlängelt, fast nicht auszumachen. Ein dichter Baumbewuchs begrenzen den Park nämlich zur Straße hin, was in Anbetracht der viel befahrenden Umgehungsstraße auch gut so ist 😉 .

Grüne Oase

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Glacis Neu-Ulm

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Glacis Neu-Ulm 48.388425, 9.997025 (Routenplaner)

Auch wenn für den ein oder anderen der Neu-Ulmer Stadtpark vielleicht weniger bekannt wie beispielsweise die Friedrichsaus ist, handelt es sich doch um die größte und wie ich finde auch schönste Parkanlagen auf der bayerischen Donauseite unserer schönen Doppelstadt.

Ihren Namen hat das Glacis übrigens der Bundesfestung , die beim genaueren hinsehen im Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgebiet fast schon allgegenwärtig ist, zu verdanken. Diese schloss im 19. Jahrhundert auch das bayerische Donauufer mit ein, und so konnte sich letztendlich Neu-Ulm als (Garnisons-)stadt etablieren. Die Festungsmauer begrenzt heute also den Park zur Innenstadt hin und ist ein beliebter Schattenspender im Sommer.

Bundesfestung

Als Glacis wird im Festungsbau eine von der Feldseite her leicht ansteigende Erdanschüttung genannt. Im Anschluss an das Glacis, und somit noch vor der Festungsmauer, befindet sich traditionellerweise der Graben. Sitze ihr also heute im Biergarten im Schatten der Festungsmauer bei einem kühlen Blonden und esst Brauerfladen, hättet ihr also ziemlich nasse Füße, den der Biergarten befindet sich quasi im ehemaligen Graben 😉 .

Das Glacis war somit das vorgelagerte freie Feld der Festung und sollte den Angreifern wenig Möglichkeit zur Deckung geben. Ihr müsst euch auch weiter vorstellen, dass der große Baumbestand entlang der Ringstraße erst nachdem die Bundesfestung technisch überholt und somit nicht mehr “notwendig” war, gepflanzt wurde.

Die intensive militärische Nutzung der Glacis-Anlage ist zum Glück endgültig passé. Der Stadtpark wie wir ihn heute kennen, wurde nämlich erst im Jahr 1980 im Rahmen der damaligen Landegartenschau gestaltet und in den letzten Jahren immer wieder modernisiert, und hat nicht zuletzte durch den neuen, mega tollen Kinderspielplatz mit Hängebrücke an Beliebtheit gewonnen.

Open Air Bühne

Ein zweiter Spielplatz befindet sich nur einen Steinwurf vom Biergarten und der Veranstaltungsbühne entfernt. Diese verwandelt den Park in den Sommermonaten zum Freiluft-Wohnzimmer für Musikbegeisterte.

Im Rahmen eines bunten Veranstaltungsprogramms mit Konzerten unterschiedlichen Genres kann am Rande des wunderbar duftenden Rosengartens den Klängen von Jazz, Rock und Big-Band gelauscht werden. Alle Veranstaltungen kosten zudem keinen Eintritt 😉 .

Historischer Wasserturm

Bau des Wasserturms im Jahr 1898 (Quelle: Eberwein Stadtarchiv Neu-Ulm)

Nur einen Katzensprung vom Park entfernt findet ihr auch das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Neu-Ulm vor. Wer jetzt denkt, der Wasserturm wäre auf dem Stadtwappen präsent, der irrt leider. Trotz alledem gehört der Turm durch seine ungewöhnliche Farb- und Formgebung, die einer wilhelminischen Pickelhaube nachempfunden ist, zu den einprägsamen Bauwerken am rechten Donauufer.

Das Denkmal Neu-Ulmer Technikgeschichte, welches Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen wurde und ehemals knapp 500 Haushalte mit fließend Wasser versorgte, ist etwas versteckt über die Turmstraße bzw. den Spazierweg auf der Umwallung entlang dem Festungsweg zu erreichen und kann ggf. auch im Rahmen von Veranstaltungen wie dem “Tag der Festung” oder bei Sonderführungen besichtigt werden. Erbaut wurde der Wasserturm auf einem Kriegspulvermagazin – wobei sich hier bei näherem Nachdenken, eine gewisse Ironie nicht ganz von der Hand weisen lässt.


Habt ihr beim Lesen Lust auf mehr Glücksorte bekommen? Dann schaut doch doch mal in mein Büchlein “Glücksorte in und um Ulm”, welches unter der ISBN 978-3-7700-2170-3 erhältlich ist, rein.