Edwin Scharff Kunst- und Kindermuseum

Beim Betreten des Edwin Scharff Kunst- und Kindermuseums werden wir von fröhlichem Gelächter, dem Duft frisch gebrühten Kaffees und dem Geklapper von Kuchengabeln begrüßt. Das modern gestaltete Museumscafé lädt nicht nur zum Verweilen ein, sondern bietet auch ein hervorragendes Frühstück. Von hier aus beginnt eine farbenfrohe Museumsreise – für Jung und Alt, für Entdecker, Forscher und Kunstliebhaber. Übrigens zählt das Museum auch zu meinen persönlichen Glücksorten, die ich in meinem Reiseführer Glücksorte in und um Ulm vorstelle und zu denen ich Euch herzlich einlade.

Kunst trifft Neugier – Eine gelungene Verbindung

Wie passen moderne, zeitgenössische Kunst und die experimentelle Entdeckungsreise im Kindermuseum zusammen? Ganz einfach: Hier am Neu-Ulmer Petrusplatz fügt sich beides wie der sprichwörtliche Deckel auf den Topf. Die Verbindung von Kunst und kindlicher Neugier ist kein Zufall, sondern Teil des Museumskonzepts.

Der Namensgeber Edwin Scharff und der Künstler Ernst Geitlinger, dessen Werke in der ständigen Ausstellung zu sehen sind, experimentierten zeitlebens mit unterschiedlichen Kunststilen. Und da wir Erwachsene oft den kindlichen Entdeckergeist verlieren, bietet ein Museumsbesuch hier in Neu-Ulm auch die Chance, sich neu inspirieren zu lassen.

Zwei Künstler, ein Museum – Scharff und Geitlinge

Edwin Scharff wurde 1887 in Neu-Ulm geboren und seine teils monumentalen Bildhauerarbeiten sind, nicht nur auf der Neu-Ulmer Donauhalbinsel Schwal, optisch markante Wegpunkte. Die wenigsten haben jedoch von Edwin Scharff als Grafiker, Maler und Autodidakt gehört. Die ständige Ausstellung in den historischen, neobarocken Räumlichkeiten des ehemaligen Neu-Ulmer Rentamtes umfasst daher nicht nur Bildhauerarbeiten, sondern auch Gemälde, Grafiken, Bronzestatuen und unzählige Dokumente, die einen umfassenden Eindruck vom künstlerischen Schaffen und der Vielseitigkeit Scharffs vermitteln.

Im zweiten Teil der ständigen Ausstellung im Kunstmuseum im Neubau begegnen Besucher den abstrakten, farbenfrohen Werken von Ernst Geitlinger (1895–1972) und seinen Schülern. Als Pionier der ungegenständlichen Kunst im Nachkriegsdeutschland widmete er sich zeitlebens dem Experiment, bevor er sich ganz der Beziehung von Farbe und Form verschrieb.

Sonderausstellungen – Bühne für die Klassische Moderne

Mehrmals im Jahr zeigt das Edwin Scharff Kunstmuseum wechselnde Sonderausstellungen, die sich vor allem der Klassischen Moderne widmen. Dabei erhalten bedeutende Künstlerinnen und Künstler des 20. Jahrhunderts eine Bühne, oft mit überraschenden thematischen Schwerpunkten und spannenden kuratorischen Konzepten.

So widmete sich beispielsweise die Ausstellung Gemischtes Doppel. Die Molls und die Purrmanns im Jahr 2024 den Künstlerpaaren Marg und Oskar Moll sowie Mathilde Vollmoeller-Purrmann und Hans Purrmann. Ihre farbstarken Werke, beeinflusst vom französischen Fauvismus und Henri Matisse, zeigten nicht nur malerische Gemeinsamkeiten, sondern auch die Herausforderungen der damaligen Geschlechterrollen innerhalb der Künstlerehen.

Diese Sonderausstellungen zeigen immer wieder eindrucksvoll, dass hier nicht nur Werke präsentiert, sondern auch kunsthistorische Entwicklungen, persönliche Lebenswege und gesellschaftliche Kontexte miteinander verwebt werden. Wer sich also für die Schnittstellen zwischen Kunst, Biografie und Zeitgeschichte interessiert, findet hier immer wieder neue Impulse.

Kindermuseum – Mitmachen, Staunen, Verstehen

Im Neubau lädt das Kindermuseum auf rund 500 Quadratmetern zur aktiven Auseinandersetzung mit kulturgeschichtlichen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen ein. Die jährlich wechselnden, interaktiven Ausstellungen greifen zudem auch schwierige Inhalte kindgerecht auf. Das Museum setzt auf multisensorische Erlebnisse: Tasten, Hören, Sehen und Bewegen sind integraler Bestandteil jeder Station. Die Räume sind liebevoll und altersgerecht gestaltet, sodass Kinder ab etwa fünf Jahren – begleitet von Erwachsenen – auf Entdeckungsreise gehen können. Verschiedene Schwierigkeitsgrade sorgen dafür, dass auch ältere Kinder und Erwachsene spannende Herausforderungen finden.

Das Kindermuseum ist aber nicht nur ein Ort für Kinder, sondern ein Raum für gemeinsames Erleben: Eltern, Großeltern und Begleitpersonen werden aktiv eingebunden und erleben, wie viel Freude es macht, gemeinsam zu forschen und zu gestalten. Eine Vielzahl von ergänzenden museumspädagogischen Angeboten macht den vielleicht für manches Kind ersten Museumsbesuch dann zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Kunst entdecken – Spaziergänge durch Neu-Ulm

Wer nach dem Museumsbesuch noch nicht genug von Moderner Kunst hat, kann auf drei Kunsttouren das Stadtgebiet erkunden. Die abwechslungsreichen Spaziergänge mit den wohlklingenden Namen Donauabwärts, Entfestigung und Mittelpunkte entstanden 2019 zum 150-jährigen Stadtjubiläum und laden dazu ein, Neu-Ulm aus neuen Perspektiven zu erleben.

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