Unterwegs in Süddeutschland

Sozialer Wohnungsbau 1.0 – Besuch der Fuggerei

13. März 2020

Heute möchte ich euch auf einen Ausflug in das schöne Augsburg mitnehmen. Der Titel des Beitrages verrät ja bereits wohin es geht 😉 , nämlich in die Fuggerei, welche in dieser Form weltweit einzigartig ist und in der schon bei ihrer Gründung vor knapp 500 Jahren Konzepte des Wohnungsbaus und des Zusammenlebens aufgegriffen und umgesetzt wurden, die heute wieder oder immer noch modern sind.

Eine Stadt in der Stadt

Kurz erklärt kann man sagen, dass es sich bei der Fuggerei um die weltweit erste und somit auch älteste, bestehende Sozialsiedlung handelt. Sie wurde am 23. August 1521 von Jakob Fugger als Wohnsiedlung für bedürftige katholische Augsburger Bürger gestiftet, was heute noch im original erhaltenen Stiftungsbrief nachzulesen ist:

„Namlich so sollen soliche hewser Fromen Armen taglönern und handtwerckern und burgern und inwonern dieser stadt Augsburg, die es notturftig sein und am besten angelegt ist, umb gottes willen gelichen und darin weder schankung muet und gab nit angesehen …“

Auszug aus dem Stiftungsbrief

Jakob Fugger war damals der wohl reichste Unternehmer Europas und Kaufmann und Bankier in Personalunion. Die Idee, seinen Ruhm, sein Geld und die damit verbundene herausragende gesellschaftliche Stellung für das Gemeinwohl einzusetzen kann man als revolutionär bezeichnen, war es doch damals nicht selbstverständlich das sich Unternehmer sozial engagieren.

Unterwegs in der Fuggerei

Ich kann mich leider nicht mehr entsinnen, wann ich der Fuggerei das erste Mal einen Besuch abgestattet habe, ich denke aber das ich als Jugendliche die idyllische Reihenhaussiedlung das erste Mal besucht habe und sogleich fasziniert war. Schon damals haben mich die kleinen Reihenhäuschen und die besonderen Atmosphäre inmitten der quirligen Augsburger Innenstadt begeistert. Die Fuggerei ist nämlich mit acht beschaulichen Gassen, drei Toren, einer Kirche eine kleine “Stadt in der Stadt”.

Leben in 500-jähriger Tradition

Passiert man das unspektakuläre Eingangstor an der Jakoberstraße und hat seinen Eintritt an der Kasse bezahlt, können auf dem 15.000 qm großen Gelände vier wunderbare Museen besucht werden. In ihnen kann man sich auf eine spannende, interaktive Reise durch die Geschichte der Wohnsiedlung machen und bekommt Einblicke in das Leben hinter den grünen Eingangstüren. Die Fuggerei ist nämlich kein Museum im klassischen Sinn, leben in den 67 Reihenhäusern doch rund 150 Menschen. Bitte respektiert dies auch bei eurem Spaziergang durch die Siedlung.

Museum des Alltags

Das Fuggereimuseum wirft einen Blick auf den Aufstieg und die wechselhaft Geschichte des Kaufmann-Clans und erklärt wie die Fugger zu einer weltweit agierenden Wirtschaftsmacht, mit deren Vermögen noch heute die Fuggerei unterhalten wird, werden konnten. Ein bisschen also wie die Medicis aus Florenz, nur katholisch-schwäbisch und weniger skrupellos 😉 . Das Museum befindet sich im letzten original erhaltenen Wohnhaus und zeigt darüber hinaus auch wie die kleinen Häuser damals im 18. Jahrhunderts möbliert und eingerichtet waren.

Unterwegs in der Fuggerei

Wer sich mehr für den heutigen Lebensstil und den Alltag der Bewohner interessiert ist in den beiden Museen Museum der Bewohner und Museum des Alltags in der Ochsengasse an der richtigen Adresse. Hier kommen die Bewohner zu Wort und erzählen, sie es sich heute so mit einer Jahreskaltmiete von 0,88 Euro, täglichen Gebeten sowie einem Ave Maria für die Stifterfamilie Fugger lebt.

Das zugegebenermaßen düstere aber nicht minder interessante Museum im Weltkriegsbunker befasst sich mit einem traurigen Kapitel, nämlich dem zweiten Weltkrieg und der Bombennacht im Februar 1944, die etlichen Bewohnern das Leben gekostet und große Schäden an der Wohnsiedlung hinterlassen hat. So betritt man dann auch durch eine massive Gasschleuse den ehemaligen öffentlichen Luftschutzbunker in dem sich die Museumsräume mit vielen Fotos und Exponaten befinden.

Bevor ihr die Fuggerei in Richtung dem Trubel der Augsburger Innenstadt verlasst müsst ihr unbedingt dem kleinen Kirchlein “St. Markus”, mit seinem wunderbaren geschnitzten Flügelaltar, einen Besuch abstatten.

Ich würde sagen die Fuggerei ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert und auch zusammen mit Kindern ein schönes Ausflugsziel. Weiterführende Informationen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr auf der offiziellen Homepage der Fuggerei.