Elternzeit Europarundreise | Urlaub in Frankreich

Weltallstadt

7. Oktober 2021

Etappen 15 und 16 – Am frühen Nachmittag sind wir in Toulouse angekommen und haben unser Wohnmobil auf dem Camping le Rupé im Stadtgebiet abgestellt. Ich hatte im Vorfeld schon ein wenig recherchiert und man kann vom Campingplatz aus entlang dem Canal Latéral à la Garonne, sowie dem Canal de Brienne entspannt fernab vom Verkehr in die City reinradln.

Mit dem Wohnmobil in Großstädten herumzufahren, immerhin ist Toulouse die viertgrößte Stadt Frankreichs, ist nämlich kein Spaß und zudem kommt noch die mögliche Gefahr eines Einbruchs dazu, stellt man sein Auto einfach irgendwo ab, den für die öffentlichen Parkhäuser in der Innenstadt sind die Wohnmobile ja zu hoch.

Unterwegs in Toulouse

Vom Campingplatz aus waren es dann auch nur knapp 10 Kilometer bis zur Pont Neuf, der ältesten noch erhaltenen Brücke über die Garonne, von der es wiederum nur ein Katzensprung in die Innen- bzw. Altstadt ist. Irgendwie haben wir uns aber den ungünstigsten Zeitpunkt für einen Besuch von Toulouse ausgesucht: Zusätzlich zum Semesterbeginn hatten auch verschiedene kulturelle Veranstaltungen unter „Plein Air“ gestartet und es war mit dem Radanhänger fast kein Durchkommen zwischen all den Fußgängern, die sich auf den Plätzen und in den engen Altstadtgassen getummelt hatten. Von dem dichten Verkehr und den leider fehlenden Fahrradwegen mal ganz zu schweigen.

Daher ist unser Besuch in der Stadt sehr, sehr kurz ausgefallen und war vor allem für Florian anstrengend, hatte er doch die doppelte Verantwortung: für sich und für Henry im Anhänger. Aber im Nachhinein ist man ja auch immer schlauer und vielleicht wäre es doch geschickter gewesen den Bus zu nehmen, wobei das auch wieder so eine Sache mit dem Transport des Kinderwagens ist.

Daher gibt es hier auch nicht viele Bilder bzw. nur Bilder von unserer Hin- und Rückfahrt zu sehen. Für den Abend auf dem Grill haben wir beim Metzger aber noch eingekauft und die original Saucisse de Toulouse gegessen. Das ist eine super leckere, spezielle Schweinsbratwurst die nur in Toulouse hergestellt wird. Wir haben sie uns ja weniger traditionell gegrillt schmecken lassen, normal ist die Wurst nämlich fester Bestandteil des Cassoulet, einem südfranzösischen Eintopf der aus Bohnen, Speck, Schweinefleisch und Würsten besteht.

Unendliche Weiten

Unser zweiter Tag in Toulouse war im Vergleich zum Ersten ein voller Erfolg und ich muss sagen, dass ich schon lange nicht mehr ein so interessantes Museum besucht habe. Die Cité de l’Espace ist ein interaktiver Themenpark der in Zusammenarbeit mit der ESA, der europäischen Luft- und Raumfahrtbehörde, entstanden ist und im Jahr 1997 für die Besucher geöffnet hat.

Das amerikanische Pendant wäre wohl Cape Canaveral, wobei der Vergleich natürlich ein wenig hinkt, da ja der Abschuss der europäischen Raketen meist außerhalb Europas, sprich in Französisch-Guayana, stattfindet. Trotzdem muss sich unser europäisches Weltraummuseum keineswegs hinter dem populäreren Amerikanischen verstecken, den wo gibt es den sonst die Möglichkeit die quasi original Weltraumstation MIR zu besichtigen?

Zudem sieht man erst auf den zweiten Blick, dass die Ariane V, die auf dem Außengelände stolze 55 Meter hoch in den Himmel ragt, nur eine Attrappe aus Kunststoff ist. Wie ihr euch ja vielleicht noch erinnern könnt, ist ja die echte Ariane damals direkt nach dem Start explodiert 🙁 . Mein persönliches Highlight auf dem Außengelände war natürlich der Blick in die Weltraumstation MIR, wie könnte es anders sein. Hier führt der Weg für die Besucher durch die vier Module Kvant 1, Kvant 2, Core und Kristall, welche in Moskau zum Training der sowjetischen Kosmonauten eingesetzt wurden. Man erfährt im Inneren auch einiges über das Leben an Bord und ich muss sagen, die französischen Astronauten haben es sich auch im Orbit kulinarisch gut gehen lassen.

Weltraumstation MIR

Die Ausstellungen im Hauptgebäude befassen sich mit der Geschichte der Luft- und Raumfahrt, sowie dem Sonnensystem, Asteroiden und der Satellitentechnik. In einer interaktiven und sehr kurzweiligen Sonderausstellung erfährt man als Besucher mehr über das Leben als Astronaut. Leider ist Henry ja für den interaktiven Kinderteil der Ausstellung noch um einiges zu klein, für Kinder ab dem Schulalter gibt es hier aber viele kindgerechte Erklärungen, Spaß und Spiel. Ich kann also das Museum auch als „Familienmuseum“ uneingeschränkt empfehlen.

Mit dem Eintritt von 21 Euro pro Person (Kinder unter fünf Jahre haben freien Eintritt) kann man zudem noch dem Planetarium einen Besuch abstatten und im IMAX Kino einen Film schauen. Beide haben wir bei unserem Besuch nicht gemacht bzw. einer von uns hätte draußen Henry bespaßen müssen, was wir in diesem Fall nicht wollten. Das hat dem Ganzen aber keinen Abbruch getan und vielleicht war es ja nicht unser letzter Besuch in der Weltraumstadt.