Ausblick von der Ruine Hohengundelfingen

Das Große Lautertal auf der Schwäbischen Alb gehört seit Jahren zu meinen liebsten Ausflugszielen in Baden-Württemberg. Die malerische Flusslandschaft, die historischen Burgruinen und die gut ausgeschilderten Wanderwege machen das Große Lautertal zu einem echten Geheimtipp für Naturliebhaber und Kulturinteressierte. Bisher habe ich das Tal meist mit dem Fahrrad erkundet und die imposanten Burgen nur aus der Ferne bewundert – stets mit dem Vorsatz, sie eines Tages zu Fuß zu entdecken.

Burgruine Hohengundelfingen – Rundumblick über das Große Lautertal

hochgehswiggert – Von Burg zu Burg

Ich werde im Beitrag künftig vom Lautertal sprechen – ohne den Zusatz „Groß“. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gemeint ist das Große Lautertal, ein kleines, idyllisches Tälchen nahe Ulm und Herrlingen, das sich hervorragend zum Radfahren und besonders zum Wandern eignet. Gerade deshalb war eine Wanderung durch das Lautertal längst überfällig. Im Rahmen einer wunderbaren Tour haben wir schließlich die Burg Derneck sowie die rund 900 Jahre alte Burgruine Hohengundelfingen besucht. Die insgesamt recht moderate Wanderung beginnt am Wanderparkplatz Heiligental, unweit des kleinen Weilers Wittstaig. Der Weg ist als Premiumwanderweg mit dem originellen Namen hochgehswiggert ausgezeichnet und hervorragend beschildert.

Der Wanderparkplatz eignet sich übrigens auch als Stellplatz für Wohnmobile und bietet ideale Bedingungen für einen entspannten, naturnahen Kurzurlaub. Die auch mit mäßiger Kondition zu bewältigende Tour hat eine Streckenlänge von 6,5 Kilometern mit genau zwei Steigungen, nämlich – wer hätte das gedacht – hinauf zu den beiden Burgen die hoch über dem Tal thronen.

Entlang der Lauter zur Burg Derneck

So startet die Wanderung auf dem ersten Wegstück auch ohne Steigung und folgt dem Radwanderweg entlang der Lauter in südlicher Richtung. Ihr müsst euch also generell links halten und die Bundesstraße, sowie die Lauter überqueren, bevor ihr dann auf den Radwanderweg stoßt.

Klingelfelsen – Radwanderweg durch das Lautertal

Dabei kommt man Klingelfelsen vorbei, an dessen Fuß ein wunderschöner Grillplatz zum Verweilen einlädt. In unserem Fall wollen wir aber ja noch weiterwandern und folgen kurz nach der nächsten Brücke, die von zwei Bronzeskulpturen geschmückt wird, einem schmalen Waldweg hinein ins grüne Blättermeer. Der Wegweiser „AV-Wanderheim Burg Derneck“ direkt an der Straße ist dabei nur schwer zu verfehlen.

Aufstieg zur Burg Derneck

Der Waldweg schlängelt sich durch das schattige Grün hinauf zum Wanderheim. Dabei kann auf den letzten hundert Metern zwischen einem steilen (Treppen) oder einem moderaten Aufstieg zur Burg gewählt werden. Bei der Burg Derneck handelt es ich um eine wunderschön restaurierte Schildmauerburg aus dem 14. Jahrhundert. Durch ihre Lage auf dem Bergsporn hat man, wie könnte es auch anders sein, einen tollen Ausblick in die Nebentäler des Lautertals.

Wie so viele Burgen hat auch diese ein recht wechselhafte Geschichte „hinter sich“ und wurde von den Gundelfingern, einem regional bedeutsamen Adelsgeschlecht die nicht das letzte Mal im Beitrag auftauchen werden, erbaut. Später waren die Besitzer die Adelshäuser Helfenstein, Fürstenberg und Württemberg, bis sie dann in den späten 60er-Jahren umfangreich vom Schwäbischen Albverein instand gesetzt und das Försterhaus als Wanderheim umgebaut wurde.

Erkundung der Burg Derneck

Wer kein eigenes Vesper im Rucksack mitgenommen hat kann sich auch hier in der Burgschänke stärken oder einen Kaffee trinken. Im Wanderheim kann man übrigens auch übernachten wenn man keine Mitglied im Schwäbischen Albverein ist. Hier geht’s zur offiziellen Homepage der Burg.

Von Burg zu Burg

Das nächste Wegstück startet etwas versteckt, wenn man sich am Eingangstor der Burg links hält und einen schmalen Pfad entlang wandert. Dieser mündet auf einen großen Wanderparkplatz mit Volleyballfeld und Spielplatz und führt dann wieder in den Mischwald hinein. Das Schöne an der Wanderung ist, das sich immer wieder schattige mit sonnigen Etappen abwechseln. So auch das darauffolgende Wegstück auf dem Bergkamm mit einer schönen Aussicht hinab in Tal.

In dieses wandert man dann auch auf den nächsten Kilometer wieder hinab. In Wittstaig angekommen führen auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Land- und Ferienhotel Wittstaig etwas versteckt Treppen hinauf in den Wald in Richtung der Ruine Hohengundelfingen. Am Fuß der Treppe warnen Schilder vor möglichem Steinschlag – ein guter Grund, sich unbedingt an den markierten Weg zu halten und mit wachem Blick unterwegs zu sein. Ein bisschen Aufmerksamkeit beim Gehen kann hier nicht schaden.

Hohengundelfingen – Höhenburg mit Blick und Geschichte

Der Aufstieg zur Burgruine verlangt etwas mehr Kondition als der vorherige Weg zur Burg Derneck. Doch oben angekommen, wird man mit einem grandiosen Panorama belohnt: Ein weiter Rundumblick über das idyllische Lautertal öffnet sich vor einem. Die Ruine thront stolze 130 Meter über dem Tal und war einst die Stammburg der bereits erwähnten Gundelfinger, denen offenbar eine einzige Burg im Lautertal nicht ausreichte.

Hier möchte ich auch das Geheimnis um den Namen des Premiumwanderweges lüften: Swigger IV. von Gundelfingen war der Name des bekanntesten Vertreters der Gundelfinger, welcher im 12. Jahrhundert gelebt hatte und auch als Erbauer der ursprünglichen Burg gilt. Was ich besonders interessant und auch überraschend an der Geschichte der Höhenburg finde ist, dass es einen direkten Bezug zu meiner Heimatstadt Neu-Ulm gibt. Im Jahr 1939 kaufte nämlich der Neu-Ulmer Fabrikant Hans Römer die bereits seit Jahrhunderten verfallene Burganlage und brachte sie über ein Jahrzehnt hinweg in einen wieder begehbaren Zustand. Heute wird die Burgruine von einer Stiftung verwaltet, die von den Nachfahren Hans Römers geleitet wird. Der Fabrikant erbaute in der Neu-Ulmer Innenstadt zu Zeiten des 1. Weltkriegs auch die imposante „Römer Villa“ als sein Privatschlösschen nahe dem Stadtpark Glacis, der auf jeden Fall auch einen Besuch wert ist. Die Villa an sich wurde lange als Restaurant und Hotel genutzt, hat momentan aber geschlossen.

An der Burgruine ist dann auch wieder der Parkplatz Heiligental und somit die letzte Etappe der Wanderung ausgeschildert. Man folgt hier auf knapp zwei Kilometern erst einem Pfad und dann einem breiten Forstweg. Auf den letzten Metern ist dann zum Parkplatz hinab einem schmalen sehr teilen Pfad zu folgen.

Wanderroute

Schwierigkeitmittel
Distanz7,5 km
Wanderzeit3,5 Stunde
Geeignet für Kinder / KinderwagenJa / nein
Burgenromantik im Großen Lautertal

Das Große Lautertal ist übrigens auch einer von meinen 80 Glückorten, zu denen ich Euch in meinem Buch Glücksorte in und um Ulm mitnehmen.

Glücksorte in und um Ulm

Droste Verlag
ISBN 978-3-7700-2170-3

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