Chicago & Great Plains

The Windy City – Part II

28. Oktober 2017

Wir hatten während unserem Aufenthalt in Chicago im Regal Inn O’Hare Airport Franklin Park östlich des Flughafens und westlich von Downtown übernachtet. Das zwei Sterne Motel hat sich als echter Glücksgriff erwiesen: der Besitzer und das Personal waren sehr nett und das Zimmer mega sauber. Nach Downtown, spricht zum Millennium Park an der Lakeshore, waren es ca. 40 Minuten Fahrzeit. Das Parken am Hotel war kostenlos, was auch für das WLAN galte 🙂 . Über die Ausstattung eines Motels / Hotels kann man sich glaube ich immer streiten. Ebenso über den Aspekt wie viel Geld man für eine Nacht ausgeben will. Jeder hat andere Vorstellungen von billig, sauber oder auch ruhig.  Für uns stand es auf jeden Fall nicht zur Debatte für eine Hotel in Downtown 120 Euro aufwärts zu berappen. Dazu kam, das wir uns ja nicht nur ausschließlich in Downtown, sonder auch in den Neighborhoods umsehen wollten.

Natürlich ist ein dreitägiger Aufenthalt in Chicago viel zu kurz. Dennoch hatten wir genug Zeit uns einen ersten Eindruck von der Stadt bzw. den Stadtteilen zu verschaffen. So waren wir in Chinatown und in Old Town unterwegs, sind auf der Magnificent Mile flaniert und haben uns auf dem Octoberfest der St. Alphonsus Roman Catholic Church ein Bierchen genehmigt 🙂 . Da ich den vorherigen Beitrag mit einer “Essensgeschichte” beendet habe, möchte ich gerne hier mit einer weiteren “Essensgeschichte” anknüpfen.

Ganz in der Nähe unseres Hotels befindet sich nämlich das erste McDonald’s Restaurant, welches jetzt als kleines Museum hergerichtet ist. Damals gab es noch keine Sitzplätze im Restaurant und die Produktpalette war auf wenige Gerichte beschränkt. Dabei stand natürlich der Hamburger, der Burger-Klassiker schlechthin, im Fokus. Es gab zudem noch Milchshakes und Roadbeer. Wenn ihr evlt. im Kino den Film “The Founder” angeschaut habt wisst ihr vielleicht bereits, dass dieses Restaurant nicht der allererste McDonald’s war – jedoch das Erste im Besitz von Ray Kroc dem Gründer des heutigen Firmenimperiums. Zu unserem großen Pech hatte das Restaurant / Museum geschlossen und so konnte ich nur “über den Zaun hinweg” ein paar Fotos machen.

Von China Town war ich ein wenig enttäuscht, wobei das vielleicht das falsche Wort ist. Ich hatte mir das Viertel größer und “exotischer” vorgestellt. Wobei ich nicht weiß, ob ich von anderen Städten wie San Francisco oder Vancouver einfach nur verwöhnter geworden bin. Leider war der “interessante” Teil, sprich die Läden und Restaurants, auf einen Straßenzug und ein winziges Einkaufszentrum begrenzt. So sind wir recht schnell weiter Richtung Old Town gefahren. Zuvor haben wir aber noch einen kurzen Halt am Haus der Familie Gallagher gemacht.

Wir schauen beide unheimlich gerne die Serie Shameless und so war es ganz klar dass wir auch einen der Hauptdrehorte, sprich das Wohnhaus der super chaotischen Familie, besuchen müssen. “Überraschenderweise” sah es aus wie im Film und auch die sich ganz in der Nähe befindenden Schienen der Hochbahn, sowie die Häuser in der Umgebung haben einen ganz in die Serie hineinversetzt. Zum Glück war Frank nicht zu Hause, ansonsten hätte er uns wahrscheinlich mit einer Schrotflinte vertrieben oder wir wären auf übelste abgezogen worden 😉 .

Chicago ist aber irgendwie nicht so richtig dem “Gangster Image” nachgekommen das ich evtl. erwartet hätte. Natürlich eine tolle Sache, ich habe mich nämlich immer sehr sicher gefühlt und auch in weniger touristischen Gegenden war es meist ordentlich und weniger heruntergekommen wie in manch anderen amerikanischen Städten und Regionen (die Schwäbin hat gesprochen 😉 ). Ich will jetzt nicht sagen, dass es keine Kriminalität gibt, den auch in Chicago gibt es wie überall gefährliche Straßen oder Stadtviertel in denen man als Tourist nicht unbedingt seine Nase reinstecken sollte. Das, wie beispielsweise in Vancouver, gleich in der Nachbarschaft zu Old Town die Junkies mit Spritzen im Arm rumgegammelt sind und sich, wie beispielsweise in San Francisco, die Obdachlosen mit alten Rollstühlen Rennen auf der Straße geliefert haben und die Polizei mit Gewalt versucht hat die Oberhand zu behalten, konnte ich in Chicago nicht erleben. Vielleicht auch gut so …

Old Town Chicago liegt nördlich von Downtown und dem Navy Pier und ist durch die sehr touristische und mega geschäftigte Magnificent Mile, der “Link” zwischen den Welten sozusagen, mit Downtown verbunden. Ich sage bewusst “zwischen den Welten”, da der alte Teil von Chicago ein krasser Kontrast zu den Wolkenkratzern entlang dem Chicago River bildet. Bei der Magnificent Mile handelt es sich um eine Einkaufsstraße par ex­cel­lence, die von der Zusammensetzung der Geschäfte eine Mischung aus Ku’damm, der Friedrichstraße und dem Quartier 206 bildet. Mir fällt keine bessere Beschreibung bzw. ein besserer Vergleich als der mit Berlin ein und ich habe, wie ihr euch sicherlich denken könnt, auch nichts gekauft 😉 . Wo es mir aber insgesamt besser gefallen hat wie direkt in Downtown war in Old Town. Am Rande des Millennium Park sind die Straßen breit und ich würde fast von Boulevards sprechen. In den Häuserschluchten zwischen den riesigen Wolkenkratzern ist es recht beengt und oft verlaufen direkt über dem Kopf die Schienen der Hochbahn (The “L”). Vom Himmel bleibt da oft nur noch ein kleines Fragment zu sehen.

Dagegen gibt es in Old Town so gut wie keine Gebäude die höher als 5 Stockwerke sind. Die Mischung aus Läden, Wohnhäusern und Restaurants ergibt ein ganz anderes Flair. Vielleicht ein wenig europäischer, aber man ist nicht ganz so “erschlagen” und muss auch nicht den Kopf so weit noch oben recken 😉 .Wir haben als Snack einen leckeren Chicago Style Hot Dog gegessen und waren anschließend gestärkt für die weitere Erkundung der Innenstadt. Eine Spezialität in Chicago sind auch die Verkaufsstände von Nuts on Clark. Diese verkaufen u.a. eine sensationelle Mischung aus Caramel und Käse Popcorn. Wie ich finde ist das eine äußerst gelungene Kombination. Für das komplette Geschmackserlebnis ist es aber wichtig zwei Käse und zwei Caramel Corns zugleich in den Munde zu nehmen 🙂 .

Das alljährlich stattfindende Octoberfest im Stadtteil South Lakeview war natürlich nicht vergleichbar mit dem Oktoberfest in München oder dem Wasen in Stuttgart. Es war jedoch faszinierend wie die Amerikaner mit von daheim mitgebrachten Maßkrügen aus Steingut und im Dirndl auf das Fest gestiefelt sind. Es gab zum lokalen Bier noch Hofbräu Oktoberfestbier und Stieglbräu aus Salzburg. Wie das nach Chicago gekommen ist bleibt ein Rätsel 😉 – und das, obwohl ich das Bier während meinen Besuchen im Salzburger Land kennen und schätzen gelernt habe. Lustigerweise wird das Octoberfest ja von der St. Alphonsus Roman Catholic Church veranstaltet und ich weiß es nicht genau, aber vermute, dass die Sache aus einem Art Gemeindefest heraus entstanden ist und mit den Jahren immer mehr Zulauf herhalten hat.

Im Nachhinein ärgert es mich ein wenig, dass wir nicht in die Kirche reingeschaut haben. Auf den Bildern im Internet habe ich jetzt gesehen, dass die Decke des Kirchenschiffs einen atemberaubenden schönen königsblauen Anstrich hat und der Innenraum ein wenig wie aus Tausend und einer Nacht gestaltet ist. Aber nun gut – ich glaub ja fast nicht, dass das unser letztes Mal in Chicago war. Wir wären gerne noch nach Detroit und an den Lake Huron gefahren. Auch hat es uns sehr gut in Michigan gefallen und die Sleeping Bear Dunes warten ebenfalls noch auf einen Besuch. Ich denke für eine weitere Reise, dieses Mal mit dem Fokus auf die Great Lakes ist Chicago ein sehr guter Ausgangspunkt. Der Flughafen ist gut organisiert und von Deutschland aus gibt es immer wieder preiswerte Flüge in die Windy City. Jetzt heißt es aber erstmal: good night Chicago and bye bye USA 🙂 .

Spaziergang durch Downtown Chicago

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