Südwesten USA

Reisefoto des Monats – März 2022

4. März 2022

Mit dem Reisefoto des Monats März möchte ich euch an einen gleichzeitig schaurigen wie auch eindrucksvollen Ort in der Wüste Arizonas mitnehmen. Hier südlich von Tucson an der Grenze zu Mexiko waren während des Kalten Krieges im heißen Wüstensand dutzende mit Atomsprengköpfen bestückten Interkontinentalraketen stationiert und auch wenn seit unserem Besuch des Titan Missile Museum schon ein paar Jahre ins Land gegangen sind ist das Thema Krieg, vor allem Krieg mit Russland, seit diesem Frühjahr wieder aktueller den je. Denn schnell ist aus einem Muskelspiel von Seitens der russischen Regierung ein offener, grausamer und blutiger Konflikt an der Ostgrenze der Europäischen Union geworden.

Besuch des Titan Missile Museums

Auf dem Titelbild seht ihr also die mit einem Stahltor verschlossene Abschussrampe auf dem Launch Complex 571-7, der heute als Museumsgelände dient und seit 1994 als National Historic Landmark gelistet ist. Die damals Top Secret gehaltene Anlage war von 1963 bis 1979 in Betrieb und auch in dieser Zeit stand die Welt schon einmal am Abgrund, auch wenn die Gefahr eines Atomkrieges vielleicht noch etwas höher und konkreter war als heutzutage. Aber keiner weiß, was die den nächsten Wochen und Monate bringen werden und ich finde Museen wie dieses sind nicht nur ein Mahnmal der Geschichte, sondern auch eine unangenehme Erinnerung, dass wir schon lange Frieden in Europa gehabt hatten und es objektiv betrachtet nicht ewig so bleiben kann und – das zeigt uns jetzt der Krieg in der Ukraine – wird.

Das unterirdische Bunkersystem des Launch Complexes im Green Valley ist in drei Einheiten aufgeteilt die durch hydraulische Schleusen geschützt und durch lange Verbindungsgänge miteinander verbunden sind. Die Schleusen fungieren dabei als Schutz zusätzlich zu den ganzen überirdischen Sicherheitsanlagen. Die 31 Meter hohe Interkontinentalrakete vom Typ Titan II ist in einem Silo untergebracht, das über ein Treppenhaus vom rund um die Uhr besetzten Kontrollzentrum erreichbar ist. Noch heute steht eine Originalrakete, natürlich ohne Treibstoff und Sprengsatz, im Silo, und schaut man durch die schützende Plexiglasscheibe hindurch muss einem bewusst sein, dass damals die Rakete zu jeder Zeit auf Knopfdruck abschussbereit war und die Zerstörungskraft dem Siebenhundertfachen einer Hiroshima-Bombe entsprochen hat.

Besuch des Titan Missile Museums

Die Bunkeranlage samt Kontrollraum, Mannschaftsunterkünfte und des Raketensilos kann heute im Rahmen einer äußerst interessanten 45 minütigen Führung besichtigt werden. Ebenfalls erfährt man mehr über das teils mental belastende Arbeiten im Launch Complex. Im Außenbereich kann man sich ohne Führung umschauen und erfährt alles wichtige von Infotafeln, die an den jeweiligen Objekten angebracht sind.

Besuch des Titan Missile Museums

Die Titan-Raketen wurden dann ab dem Jahr 1988 abgewrackt oder als Trägerraketen für Satelliten und Raumsonden genutzt. Die Launch Anlagen, welche übrigens Großteils baugleich sind und sich auch in den Bundesstaaten Kansas und Arkansas befanden, wurden im Anschluss entweder rückgebaut und / oder an Privatpersonen verkauft. Das Gelände des Museums diente zudem im Jahr 1996 als Kulisse für ein paar Szenen des Films „Star Trek: First Contact“.