Urlaub in Italien

La Serenissima – Unterwegs in Venedig

12. August 2018

In meinem heutigen Beitrag möchte ich euch nochmals nach Südeuropa, genauer gesagt nach Italien und in die wohl bekannteste Lagunenstadt der Welt, mitnehmen. Leute die mich persönlich kennen und das lesen werden jetzt ein wenig irritiert sein, da ich ja bereits vergangenes Jahr im Italien im Urlaub war. Den Reisebericht über Venedig bin ich euch aber bisher schuldig geblieben. Vielleicht fährt ja der Eine oder Andere von euch noch im Spätsommer ein paar Tage weg und ist betreffend dem Reiseziel noch ein wenig unschlüssig oder auf der Suche nach Inspirationen.

Daher fahren wir heute nochmals zusammen ans Meer und schauen uns ein wenig in der La Serenissima Repubblica di San Marco um. Ich finde ja den offiziellen Namen (und die deutsche Übersetzung) der ehemaligen See- und Wirtschaftsmacht in Norditalien sehr treffend: “Durchlauchtigste Republik des Heiligen Markus” hat doch schon mal was würde ich sagen 😉 . Vor allem das schöne deutsche Wort “durchlauchtigst” ist auch noch heute mehr als treffend für die Lagunenstadt.

Unterwegs in Venedig

Die beiden wichtigsten Tipps die ich euch geben kann sind: früh aufstehen bzw. lange aufbleiben und sich ja nicht stressen lassen. Mir hat es spät am Abend und natürlich am Morgen am Besten in der Stadt gefallen. Da ist auch das Licht zum Fotografieren am schönsten und die Massen an Touristen sind noch nicht in die Stadt eingefallen bzw. haben die Stadt zum größten Teil schon wieder verlassen. Zudem schimmern das Wasser und die Dächer der Häuser in einem romantisch schönen Licht. Venedig ist dann ein Ort der Ruhe und über der ganzen Stadt liegt ein besonderes Flair, dass, wie ich finde, komplett verflogen ist, wenn man zur Mittagszeit auf dem überfüllten Markusplatz steht und vor lauter Menschen nicht mal mehr die Pflastersteine des Platzes zu sehen sind. In diesem Moment, das gebe ich ganz offen zu, habe ich Venedig gehasst und habe mir schon überlegt, warum ich mir das überhaupt angetan habe und nicht auf dem Campingplatz mit einem Bier in der Hand im Liegestuhl sitze 😉 .

Camping vor den Toren von Venedig

Aber wie bei einer Medaille hat auch Venedig zwei Seiten und schon wegen dem vorherrschenden geschichtsträchtigem Gefühl von Macht und Eleganz lohnt sich die Reise allemal. Wir waren in Italien mit dem Zelt unterwegs und so haben wir nicht direkt in Venedig übernachtet, sondern auf einem tollen Campingplatz direkt an einem Fähranleger des Vaporetto-Transportbetriebs. Den Campingplatz findet ihr wenn ihr der Ausschilderung “Fusina Ferry Terminal” folgt.

Die Fahrt von Fusina in das Zentrum von Venedig per Boot dauert 20 Minuten und die Fähre verkehrt mindestens ein Dutzend Mal am Tag. Nach 22 Uhr muss dann auf einen Bus zurückgegriffen werden, der ebenfalls regelmäßig fährt.

Die genauen Zeit können an der Rezeption des Camping Fusina erfragt und Tickets können ebenfalls dort erworben werden. Die Dame spricht sehr gut Englisch und kann auch ein paar Wörter Deutsch 😉 .

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Camping Fusina

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Camping Fusina 45.420430, 12.257816 Fusina (Routenplaner)

 

Der Campingplatz hat zudem ein gutes Restaurant mit Cocktailbar und ist auch ansonsten sehr gut ausgestattet. Das Publikum ist wild gemischt und ich würde sagen, dass es sich hier nicht um einen typischen Familien-Campingplatz mit kompletter Betüttelung wie in Rimini oder in Ravenna handelt. Es sind immer ein paar Jugendgruppen auf dem Platz und auch einige Gäste älteren Semesters mit dem Wohnmobil. Ich würde die Atmosphäre international und ungezwungen beschreiben und euch, um da ganz ehrlich zu sein, den Platz nicht empfehlen wenn ihr einen Ort der Abgeschiedenheit und unbedingten Ordnung sucht. Das Restaurant mit Biergarten macht um Mitternacht zu und wir haben am Abend auch den ein oder anderen Absacker, sprich Bacardi Breezer mit der Ansage “Bezahle 2 bekomme 4”, getrunken 😉 .

Unser Zelt hatten wir mit direktem Blick auf Venedig am Brenta-Kanal aufgeschlagen. Dieser dient den Containerschiffen und Fähren als Zufahrt zum Hafen von Venedig der sich auf dem Festland im Stadtteil Marghera befindet. Hier haben sich vor allem Unternehmen der Chemie- und Ölindustrie angesiedelt was unter Umweltschutzaspekten der Lagune auch nicht gerade “gut tut”. So konnten wir beim morgendlichen Kaffee sehr schön die Motorboote, Containerschiffe und Griechenland-Fähren beobachten, wie sie nur ein paar Meter vom Ufer entfernt hinaus in die Lagune bzw. an der Lagune vorbei in die Adria gefahren sind. Beim nächtlichen Toilettengang bin ich doch mal ganz schön erschrocken, als sich eine zig Meter hohe Wand direkt vor meiner Nase hervorgetan hat – war ja “nur” ein Containerschiff 😉 .

Solltet ihr nicht wie wir mit dem Zelt oder Wohnmobil unterwegs sein, empfehle ich euch auch mehr Geld für das Hotel auszugeben und zu versuchen, direkt in der Lagunenstadt unterzukommen bzw. den Anfahrtsweg möglichst kurz und somit auch stressfrei zu halten.

Unterwegs in der Altstadt

Wir haben in der Lagunenstadt nicht jedes Museum angeschaut, sonder uns mal wieder (wie wir es im Urlaub gerne tun) durch die engen Gassen entlang der Kanäle treiben lassen und die Zeit auf abgelegenen kleinen Plätzen in der Sonne genossen. Dennoch haben wir uns überlegt was wir anschauen wollen und uns für die Friedhofinsel San Michele sowie die Inseln Burano und Murano entschieden.

Im Vorfeld hatten wir auch noch überlegt eine Fahrt mit der Gondel zu unternehmen, dies aber dann Vorort verworfen. Irgendwie kam da dann doch der Schwabe durch, der nicht gewillt war, für eine 20-minütige Fahrt knapp 40 Euro pro Person hinzublättern. Zudem haben mich die vielen Touristen abgeschreckt und ich hatte irgendwie den (subjektiven) Eindruck abgezockt zu werden. Was ich die ganzen Jahre über gelernt habe ist, dass wenn man kein gutes Bauchgefühl hat, man die Sache einfach auf sich beruhen lassen sollte. Mit einem romantischem Ausflug “à la Italienurlaub in der Wirtschaftswunder-Zeit” hat das für mich nichts mehr zu tun, hier regiert meiner Meinung nach einfach nur noch der Kommerz. Und das Geld wird vor allem mit den Touristen aus Fernost gemacht.

Ich wollte jedoch unbedingt den Dogenpalast besichtigen und so haben wir uns gleich in der Früh angestellt und zwei Tickets gelöst. Die Wartezeit am Ticketschalter am Rande des Piazzetta San Marco war am frühen Morgen noch moderat und auch im Inneren wurde man nicht durch die Räume geschoben. Der Audioguide ist im stattlichen Eintrittspreis von 20 Euro pro Person beinhaltet.

Als Doge wurde das Staatsoberhaupt der Republik Venedig bezeichnet der zusammen mit den Regierungs- und Justizorganen im besagten Palast die Geschäfte führte. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass sich der Besuch lohnt. Vor allem aber auch, wenn man etwas über die Geschichte der Republik Venedig und ihren unglaublichen Aufstieg zu einer Handelsmacht erfahren möchte. Ansonsten sind die Räumlichkeiten und die Ausstellung sehr schön gestaltet und auch der Blick aus den zahlreichen Fenstern über die Dächer der Stadt lohnt sich allemal.

Unser Ponte di Rialto war ich, ebenso wie vom Piazzetta San Marco, irgendwie enttäuscht. Ich kann euch nicht sagen warum, aber diese beiden Orte waren die Überlaufensten in ganz Venedig und mich haben die vielen Menschen und ihr Gedrängel einfach nur aufgeregt. Irgendwie war das ja schon ein im voraus einkalkulierbares Risiko und irgendwie war es ja klar, dass wir nicht die einzigen Touristen an diesen Tagen sein würden, aber trotzdem war ich schon nach kürzester Zeit “geflasht” und das nicht im positiven Sinne.

Wir hatten noch kurz überlegt in der Basilica di San Marco einen Besuch abzustatten dies aber auch verworfen, da die Warteschlange bereits am Morgen um 8 Uhr fast bis zum Fähranleger gereicht hat und man keine Rucksäcke mit in die Kirchen nehmen durfte. Die eigentliche Schweinerei (verzeiht mir die Ausdrucksweise) ist aber, dass dies nirgends explizit stand und die Leute nach einer langen Wartezeit am Eingang der Kirche einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Viele haben dann einfach ihren Rucksack, zwecks dem nicht vorhanden sein von Schließfächern oder eine Garderobe, einfach draußen liegen lassen was für uns nicht in Frage kam. So ist doch den Taschendieben Tür und Tor geöffnet. Aber die Touristen kommen so oder so, geschissen sei auf Schließfächer oder ähnliches. Sowas stimmt mich immer traurig und hinterlässt bei mir auch einen bitteren Nachgeschmack 🙁 .

Ich muss ja sagen, dass das schönste immer die Fahrten mit dem Wasserbus zu den einzelnen Inseln der Lagune waren. Oft sind wir einfach noch ein paar Haltestellen sitzen geblieben und haben die Taxen und privaten Boote beobachtet. Da ist bei mir auch ein wenig der mondäne Flair der Filmfestspiele durchgekommen 🙂 und wir haben mal kurz überlegt einfach so eines der schönen holzvertäfelten Taxis zu nehmen und z.B. nach Burano zu fahren.

Burano

Der Besuch auf Burano war für mich einer der Highlights in der Lagunenstadt. Für mich ist Burano die schönste und vor allem bunteste Insel in der Lagune. Eigentlich besteht Burano ja aus vier Inseln, die mit insgesamt acht Brücken miteinander verbunden sind.

In den Straßen von Burano wird vor allem handgearbeitete Spitze verkauft. Diese wird mit der Nadelspitzen-Technik, genannt “Reticella”, in stundenlanger Arbeit von Spitzenstickerinnen hergestellt. Diese Tradition geht bis in das 16. Jahrhundert zurück und ist heute der Antriebsmotor für den Tourismus auf der Insel. Allein schon des Fotografieren wegen hätte ich einen ganzen Tag auf der Insel inmitten der vielen bunten und schön restaurierten Häuser verbringen können.

Cimitero di San Michele in Isola

Der Friedhof San Michele ist genau genommen eine Friedhofsinsel die von hohen Mauern eingefriedet ist. Ich würde mal sagen, dass dieser Teil von Venedig auch tagsüber der ruhigste und gemütlichste ist. Wir haben uns ein wenig auf der Insel umgesehen und einen der Friedhofswärter beobachtet wie er mit Hilfe einem Falken die Möwen ge- bzw. verjagt hat. Diese sind in der Lagune eine echte Plage, welche hier ganz pragmatisch durch Einsatz von Raubvögeln bekämpft wird.

Der im 19. Jahrhundert erbaute Friedhof wurde im Laufe des Jahrhunderts immer wieder erweitert und auch schlussendlich mit der charakteristischen Mauer versehen. Heute ist die Insel der Zentralfriedhof von Venedig und umfasst 15.000 Grabstellen. Habt ihr gewusst das auf der Insel im gleichnamigen Kloster 11 Mönchen leben ?

Murano

Ich denke das die Inselgruppe Murano, welche nordöstlich der Altstadt liegt, neben San Marco das bekannteste Ausflugsziel in Venedig ist. Die Glaskunst von Murano ist weltweit in aller Munde und ich denke so manches Stück, welches in den Weiten des Internets zum Verkauf angeboten wird ist eher “Made in China” und nicht “Made in Venedig” 😉 . Da wir die Insel am frühen Vormittag besucht hatten waren entsprechend wenig Touristen entlang der Kanäle unterwegs und auch in den Läden waren die Verkäuferinnen wohl weniger genervt als am späten Nachmittag. Ich denke für die männliche Begleitung ist der Besuch von Murano weniger interessant als für uns Frauen, die doch gerne mal in die Geschäfte reinschauen und auch dem Kauf des unbestritten sehr schönen Glasschmucks grundsätzlich nicht abgeneigt sind 😉 . Auch ich habe mir zwei Paar Ohrstecker gekauft die ich gerne trage und dich mich immer wieder an die schöne Zeit in Venedig erinnern.

Was in Murano auffällig ist und worüber auch nicht die strahlende Sonne und das goldenen Licht hinwegtäuschen können ist der Aspekt, dass viele der Häuser bzw. deren Fassaden extrem heruntergekommen sind und dringen mal einen neuen Anstrich bzw. einen neuen Putz benötigen. Aber ich denke das ist hier nicht ganz so einfach und auch nicht billig da ja alles über den Wasserweg transportiert werden muss und man auch nicht einfach so ein Gerüst auf dem Bürgersteig aufstellen kann. Wir hatten am Morgen auch beobachtet wie die Müllabfuhr mit ihren kleinen Booten durch die Kanäle gefahren ist und die Stadt für die Touristen vom Müll befreit hat. Überhaupt ist es interessant zum einen das herausgeputzte Venedig für die Touristen und zum anderen die Arbeiten hinter den Kulissen zu sehen.

Alles in allem, auch wenn in meinem Beitrag eine kritische Stimme laut geworden ist, würde ich Venedig wieder besuchen und fand die Zeit in der Lagunenstadt mit dem vielen Wasser und den Booten sehr schön – jährlich 30 Millionen Besucher können ja auch nicht so falsch liegen 🙂 .

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