Städteurlaub

Paris Afterlife

28. Januar 2017

Wie alle europäische Großstädte ist auch Paris untertags ein echtes Moloch. Menschen hasten durch die Straßen und drängen sich, nicht nur zur Rush-Hour, in den U-Bahnen zusammen. Es gibt aber auch eine andere Seite, die vor allem in Paris sehr ausgeprägt ist.

Ich spreche hier von den Orten die mehr im Jenseits als im Diesseits liegen und die sich über die Jahrhunderte ihre Verwunschenheit und Mystik bewahrt haben. Dazu gehören ohne Frage die Katakomben von Paris. Heute kann die letzte Ruhestätte von mehr als 6 Millionen Toten in den alten unterirdischen Steinbrüchen besichtigt werden.

Ja ihr lest richtig, die Bürger von Paris fanden ab dem Ende des 18. Jahrhunderts, im Zuge der Schließung vieler Pfarrfriedhöfe, in den Steinbrüchen im 14. Arrondissement ihre letzte Ruhestätte. Zuvor wurde die Ruhefrist für Verstorbene verkürzten weil dringend Platz für neue Tote, die dem Hunger, Seuchen und der Pest zum Opfer gefallen waren, geschaffen werden musste.

Zahlreiche Gedenktafeln und Holzkreuze kennzeichnen dabei die einzelnen Herkunftsfriedhöfe. Ich fand es schon etwas gruselig so durch die dunklen Gänge, welche bis zur Decke mit Knochen aufgefüllt sind und sich 20 Meter unter der Erde befinden, zu laufen.

Möchtet ihr auch die Katakomben besichtigen, empfehle ich euch schon kurz vor der Öffnung um 10 Uhr da zu sein. Die Schlange ist, Sonntags- wie Werktags, immer lange und man muss mindestens eine halbe Stunde Wartezeit einkalkulieren.

Eng mit den Katakomben sind natürlich die zahlreichen Friedhöfe von Paris verwoben. Einige die mich näher kennen wissen um meine Vorliebe für den Besuch von Friedhöfen. Ich spreche jetzt nicht unbedingt vom Besuch von Beerdigungen 😉 sondern der Besichtigung alter Friedhöfe die oftmals in wunderschöne Parkanlagen eingebettet sind und trotz der zentralen Lage den Trubel der Stadt ausschließen.

Dazu gehören zweifelsohne der Pariser Nordfriedhof “Cimetière de Montmartre” und der Cimetière Montparnasse. Es klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, aber einen Spaziergang fernab des Trubels, begleitet vom zwitschern der Vögel finde ich immer sehr entspannend.

Auf dem Cimetière de Montmartre sind einige sehr bekannte Philosophen, Dichter, Maler und andere Freidenker beerdigt. Am Eingang des ältesten Friedhofes von Paris kann man sich einen Übersichtsplan ausleihen, auf dem alle Grabstätten der bekannten Persönlichkeiten vermerkt sind. Die für uns Deutsche wohl bekannteste Grabstätte ist sicherlich die von Heinrich Heine, dem “letzten Dichter der Romantik”, der 1856 in der Stadt an der Seine begraben wurde.

Leider haben wir es nicht auf den Cimetière du Père-Lachaise, dem größten und wohl auch bekanntesten Friedhof Paris geschafft. Dieser ist zugleich auch die erste Begräbnisstätte der Welt, welche bewusst als “Park” angelegt wurde. Wenn ihr dort Jim Morrison oder Oscar Wilde “besuchen” wollte wurde uns empfohlen den Rundgang von der Porte Gambetta aus zu starten.

Bitte beachtet das alle Friedhöfe am Abend schließen. D.h. wenn ihr nicht die Nacht auf einem dunklen Friedhof verbringen wollte informiert euch an den Eingängen über die Schließzeiten. Alternativ müsstet ihr halt über eine ca. 5 Meter hoche Mauer kraxeln und euch so den Weg ins Diesseit erklettern 😉 .

Ich möchte den Artikel mit weitern Eindrücken und der Inschrift, welche auf Heines Grab prangt, abschließen:

Wo wird einst des Wandermüden letzte Ruhestätte sein?

Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste eingescharrt von fremder Hand?

Oder ruh ich an der Küste eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben Gottes Himmel dort wie hier,

und als Totenlampe schweben nachts die Sterne über mir.

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