Süßes Polkagris

Gränna am Ostufer des Vätternsees in Småland ist mehr als Kopfsteinpflaster und rote Holzhäuser: Hier wurden die berühmten rot-weißen Polkagrisar geboren, und das Grenna Museum mit seinem Polarcenter erzählt die packende Geschichte von Salomon August Andrées Nordpolexpedition.

Die süße Legende der Polkagrisar

Auf dem Weg nach Stockholm haben wir diese Jahr spontan in Gränna Halt gemacht. Die meterhohe Polkagrisar-Skulptur an der E4 hatten mich schon beim letzten Schwedenurlaub vor ein paar Jahren neugierig gemacht, und diesmal wollte nicht nur ich wissen, was dahintersteckt. Auf der Suche nach einem Parkplatz mit dem Wohnmobil wurde es kurz stressig, aber schließlich fanden wir einen größeren Parkplatz nördlich der Stadt und ließen uns treiben: durch die schmalen Gassen, an den roten Häusern vorbei, bis wir mitten im bunten, süßen Trubel standen – mein kleiner Sohn war im Paradies und hätte am liebsten sofort den Vorratsschrank im Wohnmobil gefüllt, wenn ihn nicht der Inhalt von Mamas Geldbeutel davon abgehalten hätte.

Die Geschichte der Polkagris (schwedisch für Polkaschweinchen) beginnt nämlich im Jahr 1859 mit Amalia Eriksson die hier in Gränna lebte. Als junge Witwe musste sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter bestreiten, war damals alles andere als selbstverständlich für eine Frau war. Also hatte sie die Idee aus Zucker, Wasser, Essig und Pfefferminzöl eine Stange zu ziehen und den Zucker von Hand zu formen. Die Stangen mit den rot‑weißen Streifen wurden bald zum Verkaufsschlager, nicht nur hier in der Region. Heute gibt es den Polkagris natürlich in unzähligen Geschmacks- und Farbrichtungen, von klassischer Minze über Lakritz bis hin zu Himbeere. In den Werkstätten kann man noch live sehen, wie die Stangen gezogen werden — ein bisschen Handwerk, eine kleine Zeitreise und ein Haufen Süßes, nicht nur für meinen Sohn.

Unterwegs im Grenna Museum und Polarcenter

Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt liegt das Grenna Museum, das sich ganz der Geschichte der Polarforschung – insbesondere der tragischen Expedition von Salomon August Andrée im Jahr 1897 – widmet. Der schwedische Ingenieur und Abenteurer wollte den Nordpol mit einem Wasserstoffballon namens Örnen (Adler) überqueren. Gemeinsam mit Nils Strindberg und Knut Fraenkel startete er von Spitzbergen aus und ihr könnt es euch fast denken, das Unternehmen endete in einer Katastrophe.

Nach nur drei Tagen musste der Ballon auf dem Packeis notlanden und die Männer kämpften sich anschließend wochenlang durch die endlose Eiswüste, bis sie starben. Erst 33 Jahre später entdeckte man auf der abgelegenen Insel Kvitøya ihre Überreste und die zerrissenen Tagebücher — Zeugnisse von Hoffnungen, Zweifeln und dem langsamen Verblassen eines waghalsigen Traums. Heute stehen diese brüchigen Aufzeichnungen im Zentrum der Polarcenterausstellung und geben der Expedition ein ganz persönliches Gesicht.

Das Museum zeigt außerdem Originalausrüstungen, Fotografien und weitere persönliche Notizen. Die kurzweilige und interaktive Ausstellung verbindet technische Details mit den menschlichen Seiten des Abenteuers und ergänzt die Geschichte durch Berichte anderer Polarexpeditionen wie der Antarktisreise von Otto Nordenskjöld.

Neben Polkagris und Polarforschung bietet Gränna auch auch landschaftliche Schönheit: Die steilen Hänge des Grännaberget bieten einen spektakulären Blick über den See und zur Insel Visingsö, die mit der Fähre erreichbar ist. Wanderwege, Cafés und kleine Boutiquen machen den Ort zu einem perfekten Ziel für einen Tagesausflug und nahe der Stadt kann auf dem First Camp direkt am Vättern entspannt gecampt werden.

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