Urlaub im Baltikum

Auf der Via Baltica nach Tallinn

3. Juni 2018

Nach unserem Besuch in Riga haben wir mal wieder auf einem tollen Campingplatz direkt an der Ostsee übernachtet und uns am nächsten Morgen die Felsen von Veczemji (“Veczemju klintis”) angeschaut bevor wir über die Grenze nach Estland gefahren sind. Bei den Felsen handelt es sich um eine Sandsteinformation am Strand die, zusammen mit dem blauen Wasser und dem Sonnenschein, ein schönes Fotomotiv ergibt. Der Fußweg zu den Felsen verläuft entlang der Küste durch einen Pinienwald und beginnt an einem Campingplatz der 3 Euro an Parkgebühren verlangt.

Auf unser Reiseroute sind wir immer mal wieder an Friedhöfen mit kleinen Holzkirchen vorbeigekommen. Ihr wisst ja, dass ich einen Faible für Friedhöfe habe und natürlich hat es mich interessiert was es mit der Grabkultur im Baltikum so auf sich hat. Die Friedhöfe sind hier meist nicht eingefriedet und wenn, dann gibt es nur ein orthodoxes, dreifach Tor aber keine Mauer oder ähnliches. Die Gräber sind alle mit Quarzsand eingefasst ,der oft fein säuberlich geharkt ist und dem ganzen einen “Rahmen” gibt und als starker farblicher Kontrast zu den meist grauen bzw. schwarzen Grabsteinen steht. Zudem gehört ein kleines Bänkchen im umrandenden sandigen Bereich zum Grab dazu, was ich in dieser Weise bisher noch nirgendwo gesehen habe. Auch sind teilweise mehrere Gräber mit einem niedrigen Zäunchen eingefasst.

In Estland haben wir dann dem Städtchen Pärnu, dem beliebtesten Inlandsurlaubs- und Kurort der Esten und der größten Stadt in der Gegend 😉 , einen Besuch abgestattet. Ich habe dort die Touristeninformation besucht um Infos über die National Parks und Campingmöglichkeiten zu erhalten. Die nette Dame hat mich mit allerlei Infos, auch über die Hauptstadt Tallinn, versorgt und mir auch erzählt, dass der estnische Forstservice RMK Campingplätze in Wäldern und natürlich auch in den National Parks unterhält. Diese seien kostenlos und es gibt eine immer eine Feuerstelle mit Feuerholz und Bänke sowie einen Tisch. Der einzige Haken meinte sie augenzwinkernd sei, dass es nur Trockentoiletten (“Plumsklos”) gäbe. Wenn die gute Frau gewusst hätte wo wir schon überall gezeltet haben 😉 .

Pärnu ist ein netter Ort mit einer Vielzahl von Restaurants, Läden, Parks und einem kleinen Hafen. Ich kann mir lebhaft vorstellen wie es hier in der Hauptferienzeit zugehen muss, um ganz ehrlich zu sein, dies nicht “live” miterleben. Die Innenstadt mit ihren kleinen Holzhäusern mutet schon ein wenig skandinavisch an und jetzt in der Vorsaison sind, wie bisher überall wo wir im Baltikum unterwegs waren, Bauarbeiten aller Art im Gange. Pärnu war bereits zur Zeit der russischen Zaren eine anerkannte Kurstadt und ist zwischenzeitlich zur fünftgrößten Stadt Estlands herangewachsen.

Die im Beitragstitel genannte Via Baltica, die Europastraße 67, verläuft auf den “letzten” Kilometern durch Estland bevor sie dann in Helsinki endet und ist von Riga aus mit 315 km die direkteste Route nach Tallinn. Wir haben nach dem Besuch in Pärnu die E67 verlassen um uns an der Westküste Estlands, u.a. im Matsalu National Park und im Städtchen Haapsalu, noch ein wenig umzusehen. Ein Besuch der beiden größten estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa ist aus zeitlichen Gründen leider kein Bestandteil unserer Reiseroute. Dafür sind unsere drei Wochen Urlaub dann doch nicht ausreichend und von Litauen haben wir bisher ja nur einen winzigen Teil, sprich die Küste, gesehen.

Der Matsalu National Park umfasst eine Bucht und ist in erster Linie in Europa für seine Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung bekannt. Aber auch als Wanderer und Naturliebhaber kann man hier seine Zeit entspannt verbringen und fährt durch eine Landschaft die nur aus grünen Wiesen, Bäumen und Wasser zu bestehen scheint. Am Wegesrand befinden sich immer mal wieder kleine Häfen mit Fischerbooten und reetgedeckte Häuser die von blühendem Flieder umgeben sind.

Nördlich des National Parks liegt das Städtchen Haapsalu mit einer Sehenswürdigkeit ganz anderer Art. Im Zentrum des  selbsternannten “Venedigs der Ostsee” stehen nämlich die beeindruckenden Ruinen einer Bischofsburg. Diese, im 13. Jahrhundert erbaute Kirchenburg, ist von einer 803 Meter langen Mauer umgeben und die halb zerfallenen Gemäuer ragen teilweise wie Gerippe in den blauen Himmel. In den Gemäuern soll es außerdem spuken und in den Vollmondnächten im August soll am mittleren Fenster der Kirche die “Weiße Dame” zu sehen sein. Diese Erscheinung ist der nicht ruhend wollende Geist eines jungen Mädchens, welches ein Verhältnis mit dem damaligen Domherren hatte und als Strafe in das Gemäuer der Kirche eingemauert wurde 😉 😉 .

Rund um die Kirchenburg befinden sich ein paar ansehnliche bunte Holzhäuser und einige Cafés und Restaurants. Alles in allem würde ich das ganze aber als nicht besonders “aufregend” beschreiben 😉 . Für Handarbeit-Interessierte bietet der Ort jedoch ein kleines Museum und allerhand Strickwaren als Souvenir. Hier in Haapsalu befindet sich nämlich das Zentrum der estnischen “Lace knitting” Tradition in Folge deren wunderschöne und auch kostspielige Umhänge, Jacken und Decken zu erwerben sind.

Unser letzter Campingplatz auf der Route, bevor wir Tags darauf Tallinn besucht hatten, war natürlich wieder direkt am Meer. Wir hatten das erste Mal einen solchen RMK Campingplatz ausprobiert und waren mehr als begeistert. Vor allem die Feuerstelle und die Lage inmitten einem Naturreservat hat uns stark an die State Park Campgrounds in den USA erinnert. Diese und noch weitere Eindrücke findet ihr in der anschließenden Galerie 🙂 .

Interessante Links: