Urlaub im Baltikum

Riga

2. Juni 2018

Nach dem ganzen Trubel am Vortag in Jūrmala war es am Sonntagmorgen in Riga richtig ruhig. Ja ihr hört richtig, es ging in der mit 700.000 Einwohnern größten Stadt des Baltikums sehr gelassen zu – was wohl auch dran gelegen hat das nur ein Kreuzfahrtschiff im Hafen gelegen ist. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, ich habe nichts gegen Kreuzfahrten, aber es ist schon ein wenig nervig wenn die Passagiere des Schiffs eine Stadt wahrlich überschwemmen und wie so kleine Zombies, immer der Reiseleitung hinterher, durch die Stadt irren 😉 .

In Riga haben wir es erstmal langsam angehen lassen und haben uns Richtung Hauptbahnhof orientiert. Geparkt haben wir am Sonntag umsonst – ansonsten liegen die Parkgebühren im für Großstädte “normalen” Bereich. Ich habe ja schon mal darüber philosophiert, dass ich mich an mir unbekannten Orten oder Städten am liebsten an einem Fluss oder am Meer orientiere oder auch an der Markthalle. Praktischerweise besitzt Riga ein rieses Areal mit Markthallen, die die größten im baltischen Raum sind. In einem ehemaligen Zeppelinhangar wird alles geboten was das Herz begehrt und das Non-Food-Angebot kommt mir als Deutsche, die bisher nur die Märkte in Südeuropa kennt, doch recht “wie vor 20 Jahren, als ich ein kleines Mädel war” vor 😉 . Gerade der ältere Teil der Bevölkerung kleidet sich recht konservativ und bezieht wohl seine Klamotten von Märkten dieser Art. Bisher sind wir übrigens mit Englisch sehr gut “durchgekommen” und haben immer mal wieder Leute getroffen die ein paar Worte Deutsch konnten. Und außerdem kann man sich ja, beispielsweise hier auf dem Markt mit Händen und Füßen verständigen.

Ich liebe es ja in den Markthallen herumzustreunen und mich hat vor allem das Angebot an Fisch und Fleisch nachhaltig beeindruckt. Zu diesem Thema möchte ich aber an anderer Stelle gerne nochmals zurückkommen.

Die Innenstadt ist recht übersichtlich und selbst die Jugendstilhäuser etwas abseits der Altstadt sind gut zu Fuß zu erreichen. Riga gilt als europäische Hauptstadt des Jugendstils und die Häuserzüge entlang und um die Alberta iela sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Fassaden sind hier üppig mit Stuck und Figuren verziert und die Häuser in schönen Pastellfarben gestrichen. Die Stilrichtung gehört zu den wenigen, die an den Fassaden der europäischen Großstädte immer präsent sind und doch hatte sie, verglichen mit anderen Epochen wie dem Barock oder der Renaissance, eine sehr kurze “Lebensdauer”. Direkt nach der Wende vom 19. Jahrhundert zum 20. Jahrhundert entstanden Kunstwerke aller Art im Jugendstil – so auch die wunderschönen Häuser mit den unglaublichen Fassaden.

Es lohnt sich von der Innenstadt durch den Kronvalda Park in das Jugendstil-Viertel zu laufen. Der Park ist einer der vielen grünen Lungen der Stadt. Im Park kann man Kayaks leihen oder an Bord eines Ausflugsboots die Zeit genießen. Durch Riga hindurch fließt die Düna, deren Nebenarm im Innenstadtbereich kanalisiert wurde. Ich dachte ja immer, Riga wäre direkt am Meer gelegen und hätte einen Seehafen was aber eine falsche Annahme meinerseits war, die man schon früher durch einen Blick in die Landkarte ausräumen hätte können 😉 .

Wie schon auf unserem letzten Städte-Trip nach Wien, haben wir auch dieses Mal nur eines der vielen Museen in der Innenstadt angeschaut. Bei 25 Grad im Schatten ist es draußen in der Sonne auf den kleinen Plätzchen mit einem Bier in der Hand halt am gemütlichsten. Apropos Bier, jetzt am Sonntag war noch der letzte Tag des Latviabeerfests, wo neben lettischem Bier auch ein reichhaltiges Angebot an deftigen Imbissen angeboten wurde und somit auch das Mittagessen gesichert war 😉 .

Eines der Museen hat mich dann doch so interessiert, dass ich es unbedingt besuchen wollte: Das Okkupationsmuseum in der Nähe des Rathauses beleuchtet die Geschichte zwischen 1940 bis 1991 während der deutschen und sowjetischen Besetzung. Da das Museum leider wegen Renovierung geschlossen hatte, haben wir die Ausstellung in der ehemaligen KGB Zentrale besucht. Schon der Empfangsbereich im gefürchtetsten Eckhaus der Stadt ist gruselig und wenn man in den Zellen steht oder sitzt kann man die Menschen draußen auf der Straße hören und auch sehen. Sprich, man sieht die Beine der Passanten und weiß sich selbst in der Zelle sitzend. Auch eine Art des Psychoterrors, von den “verschärfen” Verhörmethoden und den damit verbundenen physischen Schmerzen mal ganz zu schweigen 🙁 .

Wieder zurück in der Altstadt bzw. Innenstadt haben wir natürlich die Drei Brüder besucht und uns ein wenig in den schmalen Gässchen umgesehen. Die Drei Brüder, sprich drei sehr enge Wohnhäuser, sind die beliebtesten Fotomotive in Riga und auch Gegenstand vieler Abbildungen auf Magneten, Tellern und anderen Souveniren. Selbiges gilt auch für die Abbildung der schwarzen Katze. Zu dieser gibt es auch eine, anscheinend wahre Geschichte 😉 . Ein Kaufmann wurde nicht in die Gilde aufgenommen und hat sich darüber so geärgert, dass er das Haus gegenüber der Grossen Gilde kaufte und eine schwarze Katze auf die Turmspitze montierte. Natürlich mit dem Hintern zum Gildehaus 🙂 . Er wurde letztendlich doch noch aufgenommen, die Katze blieb jedoch bestehen, nur ihre Hintern zeigt jetzt in eine andere Richtung.

Auch am Sonntag hatten alle Geschäfte und Supermärkte geöffnet und so musste das arme Weibchen nicht nur durch die Schaufenster hindurchspähen, sondern durfte auch in ein paar Geschäfte hinein 😉 . Was es als Souvenirs natürlich überall zu kaufen gibt sind Töpferwaren und Schmuck aus Bernstein. Bei letzterem habe ich an einem der Verkaufsstände zugeschlagen. Die Preise sind billiger als in Deutschland und die Händler scheinen sich, soweit ich das überblicken konnte, keine preisliche Konkurrenz zu machen. Ich glaube auch das die Qualität an den Verkaufsständen die selbige ist wie in den Geschäften.

Die Stadt hat sich natürlich auf die Touristen eingestellt, gleichzeitig aber auch ihren ursprünglichen Charakter bewahrt was wohl auch an den sehr netten und zuvorkommenden Letten selbst liegen mag. Sie sind stolz darauf jetzt unabhängig zu sein und auch auf ihre Traditionen und ihre Spezialitäten und teilen das auch gerne mit den Besuchern aus anderen Ländern. Und das vordergründig nicht nur des Geldes wegen.

Der Platz vor dem Rathaus ist ein weiterer zentraler Platz in der Innenstadt. Mir hat ja das Rathaus fast am besten von allen Häusern in der Innenstadt gefallen. Vor allem die Statuen, die bunten Malereien und die goldenen Verzierungen am Giebel fand ich besonders fotografierenswert.

Bevor wir am Abend zum Campingplatz gefahren sind, haben wir noch abseits der Altstadt den Brüderfriedhof, ein Gedenkfriedhof und zentraler Bestandteil eines größer Waldfriedhofes, besucht. Dieser ist ein Nationaldenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges und des lettischen Unabhängigkeitskampfes, welches am 18. November (dem Unabhängigkeitstag Lettlands) im Jahre 1924 errichtet wurde. Seitdem brennt an zentraler Stelle zum Gedenken immer ein unendliches Licht in Form einer Fackel.

Ich denke für eine Besuch in Riga müsst ihr mindestens einen Tag einplanen und ihn entsprechend ausweiten, wenn ihr noch verschiedene Museen besuchen wollt.

Unterwegs in Riga

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