Städteurlaub | Urlaub in Österreich

Frühsommer in Wien

9. Mai 2018

Mein erster Städteurlaub hat mich dieses Jahr in das schöne Wien geführt. Wir waren dieses Mal nicht nur zu zweit unterwegs, sondern haben die sonnigen Tage zusammen mit Freunden in der wunderschönen Donaustadt verbracht. So hat sich dieses Mal auch die Möglichkeit ergeben, eine Alternative zum Hotel zu suchen und ich bin erstmalig auf der Homepage von Airbnb „hängen“ geblieben. Bisher bin ich der Sache eher skeptisch gegenübergestanden, wobei ich euch keinen richtigen bzw. wirklichen Grund dafür nennen kann.

Wie ihr wisst, bin ich ja ein großer Fan von Ferienwohnungen bzw. –häusern und an sich nicht so der Hotelbesucher. Bei City Trips bietet es sich aber oftmals an sich in ein Hotel einzuquartieren, da die Lager der Wohnungen oftmals zu wünschen lässt und der Weg in die Innenstädte doch schon mal bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen kann. Da nimmt sogar der Schwabe ein paar Euro extra an Übernachungskosten in Kauf 😉 . Dieses Mal habe ich aber primär aus Gründen der Gemütlichkeit die Übernachtung in einer Ferienwohnung erwogen. Ein Gläschen Wein mit Freunden am Abend lässt sich doch am besten in der Jogginghose auf dem Sofa trinken 🙂 .

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Entscheidung goldrichtig und die Wohnung, mit Blick auf den Prater und nur ein paar Gehminuten vom U-Bahnhof Praterstern entfernt, ein echter Volltreffer war. Auch das Wetter hat uns nicht im Stich gelassen und so waren die Tage in Wien für mich der perfekte Start in den Frühsommer. Wenn ihr jetzt aber denkt, ich erzähle euch im folgenden Beitrag von alle Wiener Museen und Sehenswürdigkeiten dann muss ich euch an dieser Stelle leider enttäuschen. Wir haben zwar viel entdeckt und angeschaut, haben uns aber auch durch die Stadt treiben lassen und den Sonnenschein auf der Parkbank genossen.

Ich möchte euch jedoch in einem gesonderten Artikel ein besonderes Museum vorstellen, das vielleicht nicht in jedem Reiseführer steht bzw. von vielen Leuten verkannt oder „links“ liegen gelassen wird. Wie gesagt – dazu aber mehr im nächsten Blogbeitrag 🙂 . Um diejenigen die schon einmal Wien besucht haben zu beruhigen – Schloss Schönbrunn haben wir natürlich besucht und natürlich sind wir eine Runde mit dem Wiener Riesenrad gefahren und haben uns in das bunte Treiben auf dem Wurstelprater gestürzt. Damit ist der Vergnügungspark als Teil der insgesamt 6 km² umfassenden Auenlandschaft, genannt “Prater”, am Ufer der Donau gemeint. Ich dachte ja bisher auch immer, dass mit dem Prater das “Volksfest” gemeint ist, aber das macht letztendlich nur einen kleine Teil des gesamten Pratergebiets aus. Leider hat uns die Zeit für einen Ausflug in die Donauauen nicht mehr gereicht, was aber auch bei einem knapp 4-tägigen Aufenthalt irgendwie von vornherein klar war.

Um einen Besuch des Wahrzeichen Wiens kommt man als Besucher fast nicht umher. Die Domkirche St. Stephan ist nicht nur Ausgangspunkt für eine Fahrt mit dem Fiaker, sonder schmückt auch DEN zentralen Platz in der Wiener Innenstadt. Von den Wienern liebevoll Steffl genannt, kommt die Domkirche nicht ganz an unser Ulmer Münster ran. Das gilt sowohl für die Höhe der Türme als auch für das Innere der Kirche. Der Südturm zählt mit 136 Meter trotzdem zu den höchsten Gebäuden der Donaustadt.

Auch das bereits genannte Schloss Schönbrunn gehört zu den Top Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Habsburger hätten sich über den bis heute bestehenden Mythos, an dem die gute Sissi nicht ganz unschuldig ist, bestimmt ins Fäustchen gelacht und sich über die klingelnden Kassen gefreut. Die Einnahmen hätten sicherlich die Mitgift von einigen Töchtern gesichert, den wie sagte Kaiserin Maria Theresia so schön: „Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate.“ . Das Verrückte daran ist ja auch, dass die berühmte Kaiserin Elisabeth das höfische Leben und somit auch das Schloss Schönbrunn gehasst hat und trotzdem oder gerade deshalb post mortem zu einem der Zugpferde des Wiener Tourismus wurde.

Im Park von Schloss Schönbrunn

Vor allem wir zwei Mädels, die alle Sissi-Filme schon gefühlte 100 Mal gesehen haben, hatten den ein oder anderen Augenroller unserer Jungs beflissen ignoriert, wenn wir uns über die “wirklich” wichtige Themen auf einem Parkbänkchen im wunderschönen und weitläufigen Schlosspark unterhalten haben: “Wie viele Kinder hatte Kaiserin Maria Theresia?”, “Wie hieß doch gleich die Tochter von Sissi die als Kleinkind verstarb?”, “Wie hieß der Vater vom Franzl (für “Nicht-Sissi-Kenner”, das war ihr geliebter Mann der Kaiser Franz Joseph)?”, “Wo wurde Sissi ermordet?”, usw. Die Antworten sind übrigens mit einem * gekennzeichnet und befindet sich am Ende des Beitrags 😉 . Die Habsburger haben es halt einfach verstanden der Nachwelt, neben einem riesigen und total verworrenen Stammbaum, auch zugegebenermaßen tolle Paläste mit monströsen Parkanlagen zu hinterlassen.

Die vergangenen (goldenen) Zeiten sind nicht nur im Schloss Schönbrunn sondern auch in der Innenstadt merklich spürbar und ich konnte mich schon nach ein paar Stunden und dem Besuch von Schloss Belvedere dem Zauber nicht mehr entziehen. Wir haben, was wie bereits erwähnt dem schönen Wetter geschuldet war, lediglich die Parkanlage und den Botanischen Garten besucht und uns das Innere des Barockschlosses nicht angeschaut.

Im Park von Schloss Belvedere

Ich glaube, wenn man von Wien spricht muss man auch über den “Wiener” sprechen. Dieser gehört einem ganz spezieller Menschenschlag an und ich würde ihn in seiner Grundhaltung als Bruddelhubrig ** mit einer grundgemütlichen und durchaus positiven Lebenseinstellung beschreiben. Die Uhren in Wien gehen gefühlt ein wenig langsamer wie in anderen europäischen Haupt- und Großstädten, was auch bei einem Besuch in den unzähligen Kaffeehäusern deutlich wird. Einfach mal schnell einen “Coffee to go” mitzunehmen und womöglich das Brötchen oder das süße Gebäck aus der Hand zu essen entspricht nicht der Lebensphilosophie eines Großteiles der Wiener Bevölkerung.

Lecker Sachertorte

Zudem hat mir gefallen, dass trotz der vielen Touristen die Stadt sehr sauber war und in den U-, vor allem aber in den S-Bahnhöfen, weniger merkwürdige Menschen – vergleichbar mit anderen Großstädten wie beispielsweise Berlin – herumgelungert sind. Auch der Blick in die unzähligen Innen- und Hinterhöfe lohnt sich und wenn ihr wie ich mit eure Kamera unterwegs seit, gibt es hinter fast jeder Ecke ein neues Fotomotiv zu entdecken.

Vom über die Grenzen Wiens hinaus bekannten Naschmarkt war ich ein wenig, ich will jetzt nicht sagen, enttäuscht – ich hatte mir aber irgendwie was anderes versprochen. Im Nachhinein glaube ich mehr Imbiss-Flair und weniger Restaurants mit Bedingung und weißen Tischdecken. Auch war das Angebot an den Ständen auf die Touristen abgestimmt und hat wenig original Wienerisches beinhaltet. Der samstägige Wochen- und Antikmarkt, welcher an den Naschmarkt angrenzt und ein tolles und frisches (gilt jetzt nur für den Wochenmarkt 😉 ) Warenangebot hat, hat mich wiederum positiv überrascht. Wenn ihr leckere Burger essen wollt kann ich euch aber den Stand von Rinderwahn am Markt, einer Wiener Burgerkette, nur wärmstens empfehlen. Er ist nicht zu übersehen, bietet eine nette ungezwungene Sitzmöglichkeit und der “Bella Luisa Burger” ist sehr lecker 🙂 .

Einer meiner Highlights war auch der Besuch des Schmetterlingshaus im Garten der Hofburg. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine kleine exotische Oase inmitten der Stadt, sonder auch um eine Möglichkeit zum Durchatmen umgeben von bunten Blumen und den Schmetterlingen.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch ein paar Tipps für euren nächsten Aufenthalt in Wien mit auf den Wege geben:

  • Am Vormittag lohnt sich bei schönem Wetter ein Ausflug auf den Südturm des Stephansdoms. Das Panorama und der Ausblick über die Dächer von Wien ist einfach wunderschön.
  • Das Schloss Schönbrunnn kann nur im Rahmen einer Führung mit (Audio)Guide besuchen werden und die Wartezeiten sind enorm. Ich empfehle euch daher im Voraus die Karten für die von Euch gewünschte Besuchszeit online zu reservieren. Hier geht’s zur Homepage von Schloss Schönbrunnn.
  • Wenn ihr das Schmetterlingshaus im Hofgarten besucht müsst ihr unbedingt auch dem Café im angrenzenden Palmenhaus einen Besuch abstatten. Die Gewächshaus-Konstruktion mit den meter hohen Pflanzen bietet einen besonderen Flair.
  • Meiner Ansicht nach wird der Besuch im Café Sacher etwas überbewertet. Wir haben uns die Sachertorte im Café Aida in der Bognergasse und somit Abseits des Trubels schmecken lassen. Auch hier wird “Wiener Kaffee-Tradition” groß geschrieben und die Bedingungen sind wirklich nett und man fühlt sich als Gast sehr willkommen.
  • Leckeres Wiener Schnitzel könnt ihr beim Figlmueller in der Wiener Innenstadt essen. Die Restaurants sind recht touristisch aber Preis / Leistung stimmen hier.
  • Der perfekte Ausklang eines Tages in Wien ist sicherlich in einem Sonnenstuhl mit einem Cocktail in der Hand und mit Blick auf den Donaukanal in der Standbar Herrmann 🙂 .

 

Im einem der nächsten Beiträge werde ich der Sache auf den Grund gehen, warum die Wiener und ihr Verhältnis zum Tod was ganz besonderes ist – frei nach dem Slogan: “Der Tod, das muss ein Wiener sein”.

In diesem Sinne – Pfiat di Baba 🙂

*16 Kinder | Sophie Friederike von Österreich | Franz Karl Joseph, Erzherzog von Österreich | in Genf

** für die “Nicht-Schwaben” unter euch: “Bruddeln” ist etwas introvertierter als Schimpfen, es erfolgt auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf sondern dient einfach als Ventil für den aufkommenden Unmut und Weltschmerz 

 

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