In diesem Beitrag möchte ich euch auf den Berliner Mauerradweg mitnehmen. Er verläuft auf insgesamt 160 Kilometern entlang der ehemaligen DDR‑Grenzanlagen. Wir sind im Norden Berlins in Helmsdorf gestartet und dort ein landschaftlich besonders schönes, rund 55 Kilometer langes Teilstück der Westroute in Richtung Wannsee gefahren. Angereist sind wir mit der S‑Bahn, daher beginnt auch meine Aufzeichnung am S‑Bahnhof Helmsdorf.
Der Berliner Mauerradweg ist insgesamt sehr gut ausgeschildert, auch wenn man an manchen Kreuzungen die Radwegweiser im Grün der Bäume oder hinter anderen Hinweisschildern verschwinden. Zudem sind wir die Strecke entgegen der offiziellen Richtung gefahren, was ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte. In einer Großstadt wie Berlin lohnt es sich zudem, aufmerksam zu fahren, denn zwischen Radverkehr, Autos und Fußgängern können sich schnell unerwartete Situationen ergeben.



Etappe 1: Kopfsteinpflaster, Wälder und historische Spuren
Die erste Etappe empfand ich als die anspruchsvollste. Den ein Teil des ehemaligen Zoll- bzw. Kolonnenweges ist mit großen Steinen gepflastert und hier wird man dann ordentlich durchgeschüttelt. Die Strecke führt abwechslungsreich über Felder, durch Wälder und ruhige Wohngebiete. Historisch besonders sehenswert ist die Invalidensiedlung in Frohnau, einem Berliner Ortsteil im Bezirk Reinickendorf. Sie wurde 1937 für Versehrte des Ersten Weltkriegs errichtet und bildete mit ihren rund 150 Wohnungen sowie Wirtschafts‑ und Gemeinschaftsgebäuden eine kleine Stadt in der Stadt. Fährt man heute durch die Siedlung, fühlt es sich an, als würde man in eine andere Zeit hinübergleiten. Vor allem die zweigeschossigen Klinkerbauten, im Karree angeordnet und fast kasernenartig sauber ausgerichtet, versprühen einen altmodischen, leicht angestaubten Charme.




Etappe 2: Havelidylle und bewegende Geschichte
Die nächste Etappe führt von Hennigsdorf weiter in Richtung Staaken. Der heutige Radweg diente einst den Grenztruppen als Kontrollweg, und gerade hier, am idyllischen Ufer der Havel, fällt es schwer zu begreifen, dass Deutschland einmal ein geteiltes Land war. Die Wälder rund um Berlin mit ihren sandigen Böden und Kiefern erinnern mich immer ein wenig an die bewaldeten Küsten Südeuropas – ein Hauch von Urlaub. Dieses Gefühl verfliegt jedoch schnell, sobald man die vielen Infotafeln am Wegesrand liest. Sie erzählen die Geschichten zahlreicher Republikflüchtlinge, deren Fluchtversuche tragischerweise oft im Todesstreifen der Mauer endeten.



Etappe 3: Schafe, Weitblick und ein Hauch von Berggefühl


Im Landschaftsschutzgebiet rund um den namensgebenden Hahneberg, der hier in Berlin mit seinen 88 Metern Höhe schon fast wie ein richtiger Berg wirkt, leisteten uns einige kleine, wollige Wesen Gesellschaft. Rückblickend hat mir dieser Abschnitt landschaftlich fast am besten gefallen – und das lag nicht nur an den Schafen. Der Hahneberg selbst wurde im 19. Jahrhundert künstlich aufgeschüttet, um als Teil der Berliner Festungsanlagen ein freies Schussfeld zu schaffen und das nahegelegene Fort zu ergänzen. Heute kann man das gleichnamige Fort Hahneberg besichtigen, und das Gebiet bietet zudem mehrere schöne Wander‑ und Spazierwege.
Etappe 4: Badestellen, Mauerreste und Gartenkunst
Die letzte Etappe von Staaken in Richtung Großer Wannsee, genauer gesagt nach Kladow, ist wieder etwas anspruchsvoller und nicht ganz so eben wie der Abschnitt zuvor. Für süddeutsche Verhältnisse bleibt die Route zwar weitgehend flach, doch ein paar kleine „Hügelchen“ wollen dennoch bewältigt werden. Unterwegs stößt man immer wieder auf historisch interessante Stellen mit Mauerresten oder anderen Spuren des einst geteilten Deutschlands. Entlang der Strecke befinden sich immer wieder Badestellen und Möglichkeiten für eine Einkehr.



Kurz vor unserem Ziel, dem Kladower Promenadenhafen, lohnt sich ein Abstecher in den Landhausgarten Dr. Fraenkel. Die denkmalgeschützte Gartenanlage liegt idyllisch am Wasser. Zwischen alten Bäumen, geschwungenen Wegen und liebevoll gepflegten Beeten lässt es sich wunderbar durchatmen – ein wohltuender Gegenpol zur lebhaften Uferpromenade von Kladow mit ihren vielen Restaurants und den Strömen an Ausflüglern. Der Garten wurde Ende der 1920er Jahre auf Veranlassung des Bankiers Dr. Max Fraenkel angelegt, nachdem das Gelände zuvor als Ziegeleibetrieb genutzt worden war. Heute steht die knapp drei Hektar große Anlage unter Denkmalschutz. Neben dem kleinen Café gibt es ein Besucherzentrum sowie einen Museumsshop.




Vom Kladower Promenadenhafen aus bringt einen anschließend die BVG‑Fähre in rund 20 Minuten nach Wannsee. Die Überfahrt, vorbei an Segelbooten und Motorbooten, mit einer leichten Brise im Gesicht, ist eine herrliche Abwechslung nach vielen Kilometern im Sattel. Für Familien mit kleineren Kindern empfehle ich besonders das letzte Teilstück entlang des Groß Glienicker Sees in Kombination mit der Fährfahrt. Die vielen Badestellen und das Erlebnis auf dem Wasser kommen bei kleinen Radlern immer gut an.



| Informationen zur Radtour | |
| Schwierigkeit | mittel |
| Distanz | 55 km |
| Fahrzeit | 5 Stunden |
| Geeignet für Kinder / Fahrradanhänger | Ja / Ja |
| Für Rennräder geeignet | Nein |
| Straßenbeschaffenheit | Asphalt, geschotterte und gepflasterte Wege |

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