Urlaub im Baltikum

Unterwegs in Polen

19. Juli 2018

Die letzten Tage unseres Urlaubs haben wir im schönen Polen verbracht. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich unseren direkten östlichen Nachbarn bisher nur von den “Polenmärken” entlang der deutschen Grenze gekannt habe. Die haben natürlich herzlich wenig mit Polen zu tun und sind, in ähnlicher Form, auch an der spanischen Grenze hin zu Frankreich zu finden. Ich denke letztendlich ist das eine Sache von Angebot und Nachfrage. In Polen sind beispielsweise der Alkohol und die Zigaretten um einiges billiger als bei uns und in Spanien sind wiederum Parfüm und Kosmetikartikel billiger als in Frankreich. So entsteht durch die Schnäppchenjäger ein ganz “natürlicher” Grenzverkehr 😉 . Wir haben in Polen lediglich drei Ausflüge unternommen: zum einen waren wir im Biebrza-Flusstal sowie im Białowieża National Park und zum anderen haben wir die KZ-Gedenkstätte in Treblinka besucht. Zu mehr hat leider unsere Zeit nicht mehr gereicht, obwohl wir einige weitere Sehenswürdigkeiten und Städte “auf unserer Liste” hatten.

Habt ihr eigentlich gewusst, dass auf den staatlichen Rundfunksendern in Polen meist die 12 Uhr Nachrichten mit einem Hejnał eingeleitet werden? Das ist ein Trompetenspiel, welches von einem Rathaus- oder Kirchenturm aus gespielt wird. Das Spiel ist ein Signal des Triumphs und gehört heute zum traditionellen kulturellen Erben des Landes. Wir sind das erste Mal, als wir die Trompeten im Radio gehört haben, erschrocken und haben uns überlegt ob irgendwas passiert ist oder ob wir einen Feiertag verpeilt haben 😉 . Vor allem, dass zwischen dem Spiel Schritte zu hörend sind, hat uns mehr als verwirrt. Wir dachten erst das Trompetenspiel sei Teil eines Wachwechsel. Die Schritte resultieren aber daraus, dass der Bläser den Ruf in alle Himmelsrichtungen spielt und dazwischen (logischerweise) auf dem jeweiligen Turm rumläuft. Ich kann euch leider auch nicht genau sagen, von wo aus das Trompetenspiel aus gesendet wurde. Ich vermute aber das es in Warschau oder Białystok gespielt wurde.

Nationalpark Biebrza-Flusstal

Das Biebrza-Flusstal wurde erst in den 90ern zum Nationalpark erklärt und ist mit knapp 600 km² der größte National Park in Polen. Wir haben dort eine äußerst interessante Wanderung zu gesprengten Resten von Bunkern aus dem 2. Weltkrieg unternommen. Es gibt im Park ein gut ausgeschilderte Netz an Rad- und Wanderwegen und es können von Vögeln bis zu Elchen allerlei verschiedene Tiere beobachtet werden.

Leider haben wir auf unserer Wanderung keine der ca. 400 Elche beobachten können. Nur ein Viertel des Parks ist bewaldet, die anderen Teile des Tals sind stark geprägt von dem namens gebenden mäandernde Fluss, welcher durch die stetigen Überschwemmungen im Frühjahr in einer Sumpflandschaft eingebettet ist. Als nächstest haben wir uns in den ca. 2 Fahrstunden entfernten Białowieża National Park aufgemacht. Ab Białystok verläuft hier die Straße schnurgerade und durch unendliche scheinende Waldgebiete die sich bis an die weißrussische Grenze erstrecken.

Białowieża National Park

Der Białowieża National Park liegt im Nordosten von Polen unweit der Grenze zu Weißrussland und gilt als letzter Urwald Europas. Nur ein kleiner Teil des Parks (200 km²) befindet sich dabei in Polen. Große Teile (1.771 km²) sind auf weißrussischer Gemarkung und somit, durch die aktuell herrschenden Visa-Bestimmungen, um einiges schwieriger für europäische Besucher zu erreichen. Allerdings ist es mittlerweile wohl möglich, mit dem Reisepass und einer Anmeldung per Internet den National Park auch in Weißrussland für drei Tage zu besuchen, ohne den komplizierten Visa-Prozess durchlaufen zu müssen.

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Białowieża National Park

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Białowieża National Park 52.761230, 23.870544 Białowieża National Park (Routenplaner)

 

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, was an dem Nationalpark so besonders ist und warum wir nicht in den Naturpark rund um die weitaus populärere Masurische Seenplatte gefahren sind. In dem 1923 gegründeten Park lebt der europäische Büffel, das Wisent, in freier Wildbahn. Da wir seine nordamerikanischen Verwandten schon des öfteren besucht hatten und wir beide von den großen Tieren fasziniert sind, hat es uns natürlich eher in die Wildnis als auf die Seenplatte gelockt 😉 .

Das wildlebende Wisent wurde Anfang der 20er Jahre komplett ausgerottet und bis auf ein paar dutzende Exemplare in den Zoos war die Art quasi ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht. Ab den späten 50er Jahren konnten dank der erfolgreichen Nachzucht wieder Tiere im Wald von Białowieża ausgewildert werden. Heute schätzt man die Population auf ca. 450 Tiere die in einem „strengen Schutzgebiet“ leben, welches nur mit einem Ranger und mit geführten Touren besucht werden darf. Dieses Gebiet steht auch unter keinem forstwirtschaftlichem Einfluss.

Diese Touren können Vorort im Informationszentrum in Białowieża gebucht werden. Leider waren die Touren für den aktuellen Tag bereits ausgebucht, was ich so nicht vermutet hatte. Ich hatte auch nicht gedacht, dass die touristische Infrastruktur so gut ist und das Ganze eher an einen nordamerikanischen Nationalpark erinnert als an einen Park an der östlichen Grenze der europäischen Union. Das mag jetzt vielleicht auch ein Vorurteil meinerseits sein, aber ich war wirklich positiv überrascht und kann euch nur empfehlen den National Park zu besuchen. Wir hatten zu guter Letzt noch eine schöne Wanderung durch die Wälder unternommen.

Übernachtet haben wir direkt im Ort im “House of the Stork” 🙂 . Im großzügig und liebevoll angelegten Garten des Gästehauses ist man auch als Campinggast willkommen und kann zwischen Kirschbäumen sein Zelt aufschlagen. Von den Besitzern, die übrigens kein Wort Englisch – geschweige den Deutsch konnten, wurden wir herzlich mit Händen un Füßen begrüßt und haben uns gleich “wie zu Hause” gefühlt. Die Übernachtung hat für zwei Personen, Zelt und Auto 60 Złoty (ca. 14 Euro) gekostet. Wir haben am nächsten Tag die direkte Route über Warschau und Breslau in Richtung deutsche Grenze, sprich Richtung Dresden, gewählt. Auf dem Weg nach Warschau haben wir die KZ-Gedenkstätte Treblinka besichtigt. Als Deutscher im Ausland bleibt man doch immer wieder an solchen “Stolpersteinen” stehen …

KZ-Gedenkstätte Treblinka

Das ehemalige Vernichtungslager Treblinka befindet sich ca 1,5 Autostunden nordöstlich von der Hauptstadt Warschau entfernt und gehört zu den “vergessenen” Gedenkstätten. Wenn es um den Holocaust geht spricht alle Welt von Ausschwitz, das ja auch in Polen liegt – genauer in Schlesien, und von den dort verübten Massenmorden. Das hier unweit des namens gebenden Dorfs mit keinen 300 Einwohnern von Mitte 1942 bis Mitte 1943 schätzungsweise auch 1,1 Million Menschen ihren Tod gefunden hatten ist doch den wenigsten bekannt.

Um so gespenstischer ist es, wenn man als einzige Besucher auf einem zig Hektar großen Gelände unterwegs ist und nur das Rauschen der Blätter und das Zirpen der Heuschrecken zu hören ist. Die Überreste des Steinbruchs und einige Betonfundamente von Baracken sind neben der “Black Road” die einzigen Überbleibsel aus der damaligen Zeit.

Schwarze Straße in Treblinka

Wären entlang der “Schwarzen Straße”, die knapp 3 km durch den Wald verläuft und das Vernichtungslager mit dem Arbeitslager und der Erschießungsstätte verbindet, nicht ein paar Hinweistafeln aufgestellt könnte man auch meinen man befände sich auf einem Spaziergang durch den Wald. Das sich unter den Füßen eine Straße befindet, die in tagelanger Arbeit von zig Menschen unter Einsatz ihres Lebens gezwungenermaßen erbaut wurde ist unvorstellbar. Auf dem Gelände des Vernichtungslagers bildet ein imposanter Skulpturenpark und aus Beton stilisierte Bahnschwellen einen krassen Kontrast zu den grünen Wiesen und der überbordenden Natur, die sich über die Jahrzehnte hinweg das Gelände fast komplett zurückerobert hat.

Ich möchte unseren Besuch in der Gedenkstätte mit einem für mich sehr bewegenden Momente abschließen. Wir haben bevor wir weitergefahren sind, noch kurz im Auto gesessen und etwas getrunken. Dabei ist mir ein gelb-oranger Schmetterling auf den Finger geflogen und einfach sitzen geblieben. Ich war so verdutzt, dass ich erst gar nicht wusste was los ist und versucht habe das Tierchen in die Freiheit zu entlassen. Vergebens, erst nach einigen Minuten flog er ausgeruht weiter. Ein solcher versöhnlicher Moment an solch einem unvorstellbar schrecklichen Ort ist für mich ein Fingerzeig und ich denke in jedem Lebewesen wohnt ein Seele inne. Das ist für mich ein Schimmer der Hoffnung in unserer Welt.

Besuch in Treblinka

Unsere letzte Nacht haben wir auf einem sehr schönen Campingplatz in der Nähe von Breslau verbracht. Hier habe ich auch das Titelbild des Beitrages fotografiert. Wir hatten unser Zelt zwischen Obstbäumen am Rand eines Feldes aufgebaut und wurden bei Abendessen von fleißig klappernden Störchen unterhalten. Wir haben uns auf dem Weg zum Campingplatz ein paar mal verfahren und hätten ihn beinahe nicht gefunden. Wer denkt schon, dass sich in einem Dörfchen mit 5 Bauernhäusern ein Campingplatz befindet auf dem einen der Inhaber mit selbst gebranntem Schnaps empfängt. Alles in allem hätte ich gerne noch ein paar Tage länger Urlaub gehabt 😉 und ich denke, dass die kurze Stippvisite nicht die Letzte war.

In diesem Sinne – do widzenia