Ich hatte mir von der Atlanterhavsveien, der Atlantikstraße, irgendwie mehr versprochen. Vielleicht lag es ja an der sehr ruhigen See oder auch daran, dass wir bereits auf der Insel Smøla von Schäre zu Schäre gefahren sind und uns die Atlantikstraße nun nicht mehr ganz so spektakulär vorkam. Die Straße verläuft mit unangefochten toller Aussicht entlang der Küste bzw. am offenen Meer. Vielleicht fehlte einfach dieser „Wow“-Moment, den man nach all den Reiseführer-Versprechen erwartet hatte. Nichtsdestotrotz lässt sich die besondere Atmosphäre der Strecke gerade bei Nebel oder tiefstehender Sonne spüren, dann wirkt die Landschaft wie aus einer anderen Welt.

Für einen kurzen Zwischenstopp oder eine gemütliche Fahrt lohnt sich die Route allemal, vor allem wenn man sich Zeit nimmt und die Aussicht ganz bewusst genießt. Wenn man über die steilen Brücken fährt, hat man den Eindruck, gleich im Himmel anzukommen. Der Abschnitt, welcher von Schäre zu Schäre verläuft und acht Brücken beinhaltet, ist knapp 8,5 Kilometer lang und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie die Straße sich zwischen Meer und Felsen hindurchschlängelt.

Bud – Nordnorwegens Tor zur Atlantikstraße

Das charmante Fischerdorf Bud markiert den südlichen Einstiegspunkt zur berühmten Atlantikstraße und war im 16. und 17. Jahrhundert ein bedeutender Handelsplatz zwischen Trondheim und Bergen. Heute begeistert Bud mit seiner malerischen Lage direkt am Meer, traditionellen roten Fischerhäuschen und einem weiten Blick auf die Bjørnsund-Inseln. Beim Herumstromern auf den Hügeln rund um den Ort stießen wir zudem auf alte Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg – stille, monumentale Zeitzeugen der bewegten Geschichte dieser Küstenregion. Der gesamte Bergrücken wurde damals mit Stellungen und befestigten Schützengräben durchzogen, die heute teils überwuchert, teils überraschend gut erhalten sind. Die Überreste verleihen der friedlichen Landschaft eine raue Note und bieten spannende Einblicke in vergangene Zeiten.

Wanderung zu der Trollkirche

Im Anschluss haben wir im Hinterland des Atlanterhavsveien eine Wanderung zur sogenannten Trollkirche unternommen. Das unterirdische Höhlensystem besteht aus drei Kalksteingrotten, die mit Naturmarmor ausgekleidet sind. Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz an der Rv 64. Von dort führt der Weg zunächst durch einen verwunschenen Birkenwald, der sich an diesem Tag in dichte Nebelschwaden gehüllt zeigte, und anschließend sehr steil den Berg hinauf. Bis zur Trollkirche sind es knapp vier Kilometer.

Leider machte uns das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Etwa 350 Meter vor dem Ziel mussten wir völlig durchnässt die Wanderung abbrechen und den Rückweg antreten. Der Pfad entlang eines Baches war durch den starken Regen kaum noch erkennbar, die Wiesen standen unter Wasser und das letzte Steilstück glich einem Wasserfall. Besonders heftig wurde es ab etwa 400 Höhenmetern, wo der Regen so stark einsetzte, dass selbst unsere wasserdichten Jacken nicht mehr standhielten – nach kürzester Zeit waren wir bis auf die Unterwäsche durchnässt.

So traten wir den zwei Stunden langen Rückweg zum Parkplatz an, enttäuscht, aber vernünftig. Denn angesichts des hohen Wasserstands hätten wir die Höhle ohnehin nicht betreten können. Der Gedanke half uns, mit dem verpassten Ziel Frieden zu schließen, auch wenn die Entscheidung, kurz vor dem Ende umzukehren, alles andere als leicht war.

Zwischen Fjordhütte und Stoffträumen – Molde mit Überraschungen

Nach der Wanderung zur Trollkirche haben wir in Molde auf einem Campingplatz direkt am Fjord in einer gemütlichen Hütte übernachtet. Dort konnten wir endlich unsere durchnässten Klamotten trocknen und geschützt vor Wind und Wetter ein warmes Abendessen zubereiten. Die ruhige Lage am Wasser war genau das Richtige nach dem nassen Abenteuer.

Am nächsten Morgen erkundeten wir den Hafen und die Innenstadt von Molde. Zugegeben: Die City ist weder besonders groß noch architektonisch herausragend – aber die fantastische Lage zwischen den umliegenden Bergen macht vieles wett. Im Hafen hatte ein riesiges Kreuzfahrtschiff angelegt, und die Straßen waren plötzlich voller Ü70-Touristen.

Ein echtes Highlight war für mich der Besuch in einem liebevoll geführten Handarbeitsladen. Ich habe dort wunderschöne Stoffe und Schmuck-Bastelzubehör gefunden. Generell bin ich begeistert von Norwegens Handarbeitsgeschäften: Die Auswahl an Wolle, Knöpfen, Stoffen und Zubehör ist riesig – und die Preise sind durchaus vergleichbar mit denen in Deutschland. Ich habe den Eindruck, dass Handarbeit in Norwegen eine lange Tradition hat und von vielen mit echter Leidenschaft betrieben wird – Trends, die bei uns erst in den letzten Jahren angekommen sind, gehören dort längst zum Alltag.

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